Den Film würde ich eher als Drama bezeichnen. Auf gar keinen Fall ein Thriller.
Ich habe ihn mir heute im Kino angesehen und bin positiv überrascht. Der Film wurde zwar überall gelobt und ist sogar ein Anwärter für einige Oscar-Gewinne, doch je mehr Bilder und Ausschnitte ich vom Film sah, desto schlechter und dreckiger sah für mich alles aus.
Doch ich habe mich getäuscht. Die eigentlich vier unterschiedlichen und doch verknüpften Geschichten sind sehr interessant und spannend. Es gibt genug Abwechslung: Marokko aus der Sicht der Touristen und aus der Sicht der Einheimischen, Hochzeit in Mexiko und Jugendprobleme in Tokio. Und das alles hat miteinander zu tun!
Richard (Brad Pitt) und Susan (Cate Blanchett), das Ehepaar aus den USA, ist in Marokko im Urlaub, um den Tod des Sohnes zu verarbeiten, der wohl am plötzlichen Kindstod starb. Der Frau gefällt es nicht so besonders. Zwei einheimische Jungen (Said Tarchani, Boubker Ait el Caid) erhalten vom Vater, der von einem Nachbarn ein Gewehr gekauft hatte, eben diese Waffe. Sie sollen damit die Herde von Schakalen beschützen. Der jüngere Bruder schiesst mit der Waffe deutlich besser als der ältere.
Sie wollen testen, ob das Gewehr wirklich drei Kilometer weit schiessen kann und nehmen einen Reisebus auf einer entfernten Strasse ins Visier. Zum Test, zum Spass. Der Bus stoppt, jemand wurde getroffen. Die Jungen bekommen es mit der Angst zu tun, verstecken das Gewehr und sagen dem Vater nichts, sogar als die Polizei später bereits beim Nachbarn auftaucht und nicht sehr sanft mit ihm umgeht.
Der Reisebus bringt die verletzte Susan mit allen anderen in ein primitives Dorf. Dort wird sie “behandelt“. Richard versucht Kontakt mit US-Behörden aufzunehmen, doch diese befürchten einen Terroranschlag und können vorerst weder einen Krankenwagen noch einen Helikopter schicken. Diese schmerzlichen Stunden bringt die beiden wieder näher. Doch die anderen Fahrgäste, die ohne Klimaanlage ausharren müssen, sind nicht erfreut, sich so lange ungeschützt bei einem Dorf aufzuhalten und so der Gefahr ausgesetzt zu sein (die gar nicht besteht). Das führt zu Konflikten.
Weil das Ehepaar nicht nach Hause kommen kann, muss das mexikanische Hausmädchen (Hausfrau trifft es dank dem Alter wohl besser) länger auf den Jungen und das Mädchen – die Kinder – aufpassen. Da aber Amelina (Adriana Barraza) die Hochzeit ihres Sohnes verpassen würde, beschliesst sie ganz einfach, die beiden Kinder mit über die Grenze zum Fest zu nehmen. Später in der Nacht wird sie von einem Freud nach Hause gefahren, hinten liegen die Kinder im Wagen doch beim Zoll kommt es zu Problemen…
In Japan hat ein Vater und Wittwer (Koji Yakusho) zweierlei Probleme: Die Polizei sucht nach ihm, da mit seinem registrierten Gewehr auf den Touristenbus geschossen wurde. Er hatte das Gewehr einem Mann in Marokko nach einem Jagdaufenthalt geschenkt. Doch auch seine taubstumme Tochter (Rinko Kikuchi) hält ihn (nicht nur ihn) auf Trab.
Was soll man sagen? Das alles ist wirklich sehr gut zusammengedacht. Alle Darsteller aus allen vier Geschichten können sehr überzeugen, und es ist wirklich interessant, die verschiedenen Kulturen erleben zu können. Gleichzeitig wird auch die harte Immigrationspolitik der Bush-Administration und der ständige Terrorverdacht erwähnt.
Was mich sehr überrascht hat ist, dass es viel um Intimität geht. Der jüngere der beiden marokkanischen Brüder, der die ältere Schwester beim Umziehen beobachtet und später onaniert. Die verletzte Frau, die sich in eine Pfanne erleichtern muss, gestützt von ihrem Mann. Nicht zu vergessen die taubstumme Tochter des Japaners, die vielerlei Dinge tut, die man von Japanerinnen im Hochschulalter regelrecht erwartet (mehr oder weniger).
Da hätten wir auch gleich den einzigen kleinen negativen Teil des Filmes: Die Szenen in Japan spiegeln viele Klischees von Japan wider. Sie zieht unter dem Rock kein Höschen an, um es Junges zu zeigen (dem Zuschauer auch), sie und ihre Kollegin gehen in den Ausgang, aber nur ohne Höschen unter dem Rock. In der Umkleidekabine wird gescherzt, sie könne noch mit dem Vater eines anderen Mädchens Sex haben, um sich zu entspannen, und sie versucht nicht nur den Zahnarzt zu verführen. Der einzige Vorteil ist natürlich, dass man sie nackt rumlaufen sieht.
Sehr freizügig für solch einen Film, aber es ist immerhin ein tiefgründiger Film, und alles in allem passt alles sehr gut zusammen.
Schaut euch den Film an!
Ps: Bitte ins richtige Forum verschieben!