…viele GCO user fragen sich immernoch: was ist eigentlich das neo geo??
Das Neo Geo:
In den späten 80er Jahren ging die Popularität der Videospielhallen stark zurück, der Grund hierfür waren die aufkommenden Homecomputer und Videospielkonsolen. Immer mehr Leute spielten in den eigenen vier Wänden, anstatt die Videospielautomaten in den Arkaden mit Geld zu füttern. Zu dieser revolutionierten Sega mit dem „Master System“ und Nintendo mit dem „NES“ das Videospielbusiness und schlossen in punkto Grafik und Spielspass langsam aber sicher zu den teueren Videospielautomaten auf. Die Spiele in den Spielhallen beeindruckten das Publikum einfach nicht mehr so stark, wie in den frühen 80er Jahren, als Computer(spiele) für den Mann auf der Strasse noch neu und faszinierend schienen.
Als sich SNK [Shin Nihon Kikaku - dt. Neues japanisches Projekt] 1989 entschied mit einem eigenen System die Videospiel-Bühne zu betreten, schien es, als sollte sich dieser Schritt als schlechte Geschäftsentscheidung erweisen.
SNK war über Jahre offizieller Lizenznehmer von Nintendo gewesen und hatte bereits einige beachtliche Spiele, wie die „Baseball Star“- und die „Ikari Warrior“-Serie, produziert. Die meisten dieser frühen Spiele erhielten zwar recht beachtliche Kritiken, jedoch spielte SNK zum damaligen Zeitpunkt keineswegs eine Hauptrolle im Videospielgeschäft.
Als SNK seine Pläne bekannt gab ein modulares „State Of The Art“ Arcade System genannt Neo Geo MVS (Multi Video System) einzuführen, sahen nicht wenige Brachen-Insider ein schnelles Ende für SNK und das Neo Geo voraus.
Aufbau und Design
Das 1990 erschienen Neo Geo war wegweisend in Sachen Hardware Design, obwohl sich zu dieser Zeit auch andere Firmen, wie SEGA oder CAPCOM ähnlicher Technik bedienten, war das Neo Geo doch die berühmte Naselänge voraus.
Der Antrieb
Angetrieben wird das System, recht konventionell, von einem MOTOROLA 68000.
Das Soundsystem verfügt über eine eigene Z80 CPU von ZILOG und einem YM2610 Soundchip von YAMAHA.
Diese Mikrochips wurden in dieser oder ähnlicher Kombination in vielen Videospielsystemen, wie z.B. CAPCOMS CPS-1 oder SEGAS SYSTEM 16, verwendet und waren zu dieser Zeit preiswert und recht leistungsfähig. Die Produktionskosten konnten dadurch niedrig gehalten werden und die Programmierung von Spielen wurde vereinfacht, da sich die Spielentwickler mit dieser Hardware bereits auskannten.
Custom-Chips
Die wahre Magie des Neo Geo liegt in der Verwendung spezieller Custom Chips die den Hauptprozessor bei der grafischen Darstellung entlasteten und bestimmte grafische Effekte, wie scaling und zooming, sowie zahlreiche und große Sprites und 3 Grafikebenen ermöglichten.
Modulmanagement
Der modulare Aufbau ermöglicht den schnellen und einfachen Austausch von Spielen bzw. den Einsatz von mehreren Spielen auf einem MVS mit mehreren Steckplätzen (daher MVS - Multi Video System.) Es gibt Neo Geo MVS mit bis zu 6 Steckplätzen (Slots) auf denen mehrere unterschiedliche Spielmodule Platz finden. Der Spieler kann bei einem Multi-Slot-MVS per Tastendruck eins von mehreren angebotenen Spielen auswählen. Spielmodule und Neo Geo MVS verschiedener Vertriebsregionen (Japan, USA und Europa) sind untereinander voll kompatibel. Alle Neo Geo Spiele enthalten den kompletten Text mindesten in japanische und englischer Sprache. Jedes MVS Board verfügt über einen Steckplatz für Memory-Cards, auf welcher Daten z.B. Spielstände gespeichert werden können.
ROM Kapazität
Außerdem kann das Neo Geo Spielmodule mit geradezu sagenhafter Speicherkapazität aufnehmen und kein anders System konnte zu dieser Zeit (um 1990) derart üppige und (grafisch) beeindruckende Spielwelten zur Verfügung zu stellen. Damals wurde die „330 Megabit pro Modul Grenze“ (immerhin 41.25 Megabyte) abgesteckt, die jedoch längst überwunden wurde, denn in der Tat kann das Neo Geo weitaus mehr Speicher adressieren, wie z.B. „The Last Blade“ mit 474 Megabit beweist. Neuere, umfangreiche Spiele zeigen beim Booten nicht mehr den „MAX 330 MEGA PRO-GEAR SPEC“ Bildschirm, sondern statt dessen den „GIGA POWER“ Schriftzug. „The Last Blade 2“ von 1998 bringt es immerhin auf einen Megabit-Count von 554, vor zehn Jahren noch unvorstellbar.
Diese technischen Feinheiten, sowie SNK´s sichere Hand in Sachen Spieleentwicklung legten das Fundament für den, über ein Jahrzehnt anhaltenden Erfolg des Neo Geo im harten Videospielgeschäft.
Das Neo Geo Cartridge Home System
Einige Monate nach der „Initialzündung“ des Neo Geo MVS in den Spielhallen wurde das Neo Geo Home System angekündigt.
Diese erste Heimkonsole ist als Modulssystem mit einem Steckplatz ausgeführt. Das Gerät verfügt über einen Composite-Video-Ausgang, einen 6-poligen RGB-Ausgang, einen Stereo-Audio-Audio-Ausgang (2x Cinch?) , einen Anschluss für ein Link-Kabel (3,5 mm Klinkenstecker) sowie einen Anschluss zur Stromversorgung (9V) und zwei Controllerports (15-pin PC Standart). Außerdem gibt es an der Frontseite, neben den Conroller-Ports, einen Steckplatz für Memory-Cards auf denen Spielstände festgehalten werden können. Die Memory-Cards können auch auf dem MVS eingesetzt werden.
Die Hardware ist identisch zum MVS, der Modulsteckplatz jedoch nicht, deshalb können MVS- bzw. Heimmodule nicht ohne weiteres auf dem jeweils andern Neo Geo eingesetzt werden. Mit diesem Schritt wollte SNK wahrscheinlich Spielhallenbetreiber davon abhalten, die preiswerteren Heimmodule auf dem MVS in den Arkaden einzusetzen. Die Spiele selbst sind jedoch absolut gleich, da jedes Spiel über einen Arcade- und einen Heimsystemmodus verfügt. Ebenso enthalten alle Spiele, wie schon beschrieben, den vollständigen Text in zwei (japanisch und englisch) oder mehreren Sprachen.
Das Heimsystem war allerdings niemals für den Massenmarkt gedacht. Die Konsole selbst kostete bei ihrer Veröffentlichung etwa 500 US$ bzw. mit dem Spiel gebündelt („Baseball Stars“ oder „NAM 1975“) 650US$, weiter Spiele schlugen mit etwa 200 US$ pro Stück zu Buche. Obwohl sich das nur wahre Videospielenthusiasten leisten konnten verkaufte sich das Heimsystem nach seiner Einführung wirklich gut. SNK´s Zeitschriftenwerbung („Bigger, Badder, Better“) war teilweise recht amüsant, zielte sie doch anscheinend eher auf naive Teenager, denn auf das Hauptklientel der spielhallenverrückten erwachsenen Technikfreaks mit dem entsprechenden Einkommen ab. In der Werbung wurde das Neo Geo von SNK, irreführenderweise, als „24-Bit System“ gepriesen, wohl wegen der enthaltenen 16-Bit und 8-Bit CPU (16+8=24.) Irreführend und inkorrekt waren auch die in der Reklame abgedruckten Vergleiche des Neo Geo mit Konkurrenzsystemen. Nach dieser kritisch betrachteten Einführungskampagne verzichtete SNK auf weitere Werbung für das Neo Geo Heimsystem, da die Spiele ohnehin in jeder Spielhalle zu sehen waren und sich potentielle Kunden dort von der Qualität des Neo Geo überzeugen konnten.
Neo Geo Spiele
1992 begann die Popularität des Neo Geo MVS richtig zu boomen, die Spiele Entwicklung war in Schwung gekommen und sorgte für reichlich Nachschub an neuen und innovativen Titeln. Der Konkurrent CAPCOM lockte mit „Street Fighter 2“ auf dem CPS-1 die Leute zurück an die Automaten und SNK sprang auf den Zug auf und nutzte den Erfolg dieser Art von Kampfsportspielen in großen Stil. „Fatal Fury“ war das erste Spiel dieser Art, das SNK auf dem Neo Geo herausbrachte und es wurde ein voller Erfolg. Die Grafik war von der gleichen guten Qualität wie die von „Street Fighter 2“, jedoch wurde „Fatal Fury“ detaillierter und effektvoller in Szene gesetzt. „Art Of Fighting“ setzte diese Tradition fort und fügte größer Charaktere und weiche Zoom- und Scaling-Effekte hinzu. Beide Spiele wurden im Rahmen einer Serie über die Jahre fortgesetzt und mündeten in die „King Of Fighters“-Saga. Das aktuellste „Beat´em Up“ ist derzeit „ King Of Fighters ´99“. In den zurückliegenden 90er Jahren wuchs die Auswahl an qualitativ hochwertigen Spielen stetig an. Neben einer Vielzahl von sogenannten „Prügelspielen“ oder „Vs. Fightern“, die immerhin etwa ein drittel des Spieleangebotes für das Neo Geo ausmachen, widmeten SNK und andere Neo Geo Entwickler dem System eine gute Auswahl von Spielen anderer Genres. So findet man zahlreiche gute Sportspiele, vor allem Fußball, aber auch Golf und Autorennen und sogar Pferderennen sind vertreten. An Action werden einige Sidescroller in „Final Fight Manier“ geboten und neben einer Hand voll recht ordentlichen Shootern finden sich auch ein paar Plattformer und nicht zuletzt die legendäre „Metal Slug“-Reihe. Die für den japanischen Mark unerlässlichen Puzzle- ,Quiz- und Majogspiele runden das Angebot ab.
Neo Geo Spiele wurden für viele andere Videospielsysteme umgesetzt, jedoch blieb in der ersten Zeit die Qualität der Umsetzungen meist hinter den Originalen zurück. Erst ab Mitte der 90er mit dem auftauchen der „Next Generation“ Konsolen SEGA Saturn und SONY Playstation konnten Spiele in adäquater Qualität umgesetzt werden.
Neo Geo CD Home Systeme
Angesichts der Beliebtheit ihrer Spiele auf dem Heimkonsolenmarkt, überarbeitete SNK sein Heimsystem nicht zuletzt, um die Preise für Spiele drastisch zu senken. Die hohen Kosten für ROM Chips waren die Hauptursache für den bis dato sehr hohen Preis der NEO GEO Spiele, weitsichtig entschloss sich SNK für ein CD-ROM Laufwerk als Speichermedium. Nicht nur die Kosten für Spiele wurden gesenkt, sondern durch das CD-ROM wurde auch voller orchestraler Sound ermöglicht