Fußball: Die Entscheidung des Schiedsrichters ist unantastbar

Na, wer hat letzte Woche Fußball geschaut?

Genauer gesagt: Champions League, SSC Neapel gegen Borussia Dortmund

Fußball wurde da zwar auch gespielt, mehr Action als auf dem Platz gab es aber hinterm Seitenaus:

Dortmunds Jürgen Klopp teilt dem vierten Offiziellen etwas wenig zurückhaltend seine Meinung mit, da dieser die Rückkehr eines Dortmunder Spielers auf den Platz nicht abwarten ließ, sondern den bevorstehenden Freistoß frei gab, der damit zum Tor der Neapolitaner führte.

Das Ende der Geschichte? Klopp darf beim nächsten Champions League Spiel nicht dabei sein.

Aber hätte der Schiedsrichter nicht ebenfalls eine Verwarnung verdient?

Wobei wir hier natürlich noch von einem verhältnismäßig kleinen Vergehen des Schiedsrichters reden.

Was ist mit übersehenen brutalen Fouls oder unerkannten Schwalben? Mit nicht gegebenen Toren und gegebenen Nicht-Toren?


Die unfehlbaren Unparteiischen? Quelle: piqs.de, auwald, "Wo laufen sie denn hin… ", Some Rights Reserved

Sollten Schiedsrichter hier auch die rote Karte bekommen?

Sollten sogar Spielergebnisse nachträglich korrigiert werden (Tore! Nicht-Tore!) oder Spieler auch nach dem Spiel noch Karten erhalten (Fouls! Schwalben!)?

Das auf keinen Fall! Was auf dem gesagt wurde, gilt! Himmel, das wär mir zu viel Chaos…

Bin aber in jedem Fall dafür, dass der Schiri ein bisschen mehr Beistand bekommt. Leute, die das Geschehen auf mehreren Kameras beobachten um ein faireres Urteil fällen zu können. Stichwort: Torkamera.

Hmm, interessantes Thema.

Auch wenn das gerne so dargestellt worden ist, der Schiedsrichter hat hier absolut regelkonform gehandelt. Wenn ein Spieler an der Außenseite behandelt wird, dann geht das Spiel automatisch weiter. Da wartet man auch nicht mit dem Ausführen von Standardsituationen - auch wenn Klopp und manch anderer das wohl nicht so sieht. (Mal abgesehen davon, dass Reus sich schon bei der Ecke nach Subotics Verletzung ewig Zeit gelassen hat, wofür man ihn eigentlich auch hätte Ermahnen müssen.)

Aber weiter im Text: Wenn man den Gegentreffer auf das verspätete Hereinlassen von Subotic zurückführt, dann macht man es sich zu einfach. Schon vor der Flanke konnte sich der Verteidiger nämlich schon seinen zugeordneten Spieler decken. Für Higuain dagegen war Schmelzer zuständig, der in diesem Moment extrem schlecht ausgesehen hat. Klopp hat danach im Interview sogar zugegeben, dass das alles korrekt war und er das falsch gesehen hat.

Die kniffligen Szenen hat der Schiri in dem Spiel übrigens komplett richtig beurteilt, also insgesamt gute Leistung. Deshalb hätte er in diesem Fall vielleicht auch mal ein Lob verdient - nur sowas vergessen leider viele immer.

Grundsätzlich finde ich es eh falsch, dass man Schiedsrichter z.T. so hart in die Kritik nimmt. Wer schonmal selbst gespielt oder wenigstens ein Spiel im Stadion gesehen hat, der sollte wissen wie schnell das geht. Manchmal gehts eben in Zehntelsekunden um wenige Zentimeter und da dann ne Entscheidung zu treffen ist - gerade wenn man nicht perfekte Sicht hat - schwierig. Im Fernsehen mit 100 Kameras aus allen möglichen Winkeln und in Superzeitlupe kann ich dagegen auch 99% der Fälle richtig beurteilen. Aber eben auch nur 99%, weil immer ein wichtiger Blinkwinkel zugestellt sein kann.

Kleinere Fehler sind also unvermeidbar, aber gehören eben zum Spiel. Grobe Fehler sind im Grunde genommen auch eher selten, werden aber immer stark hochstilisiert. Vor allem wird immer vergessen, dass es nicht nur den einen Schiedsrichter gibt, sondern dass es sich um ein Team aus 4 (europäisch 6) Menschen handelt, bei denen einer sozusagen die Entscheidungsgewalt hat.

Gerade Abseitssituationen oder auch knappe Torentscheidungen muss in den meisten Fällen der Linienrichter entscheiden - hierfür kann der Hauptschiedsrichter oft gar nichts. Trotzdem bekommt er die Kritik ab, weil Medien und Verantwortliche der Vereine das immer so vorbeten. Sollte man auch mal überdenken.

Aber zum Thema, ob man Schiris im Nachhinein bestrafen sollte: Nach sehr schlechten Leistungen wird das ohnehin gemacht. So bekommt der betroffene Schiedsrichter einfach mal ein paar Wochen Auszeit oder muss auch mal in untere Ligen. Die UEFA behält sich sogar vor den Unparteiischen gar nicht mehr für ihre Spiele einzusetzen, genauso wie die FIFA. Es ist also nicht so, dass hier überhaupt nichts getan wird. Nur auch sowas bekommen viele Zuschauer gar nicht mit und meckern, meckern, meckern,…

Das nachkorrigieren von Spielen sollte man übrigens tunlichst unterlassen. Man kann nie sagen wie ein Spiel verlaufen wäre, wenn es dieses oder jenes Tor doch gegeben hätte. Im Nachhinein also irgendwelche Eventualitäten zu Konstruieren wäre falsch und würde Ergebnisse nur verfälschen. Zudem sind auch zu Unrecht gegebene bzw. nicht gegebene Tore nicht so häufig, wie man immer meint.

Rote Karten gegen gewisse Spieler werden momentan sogar noch ausgesprochen - z.B. bei Tätlichkeiten. Hier hängt es nur davon ab, ob der Schiedsrichter das im Spielberichtsbogen als gesehen und nicht strafwürdig angibt oder ob er die Situation nicht beurteilen konnte, weils z.B. abseits vom Spielgeschehen passiert ist. Es ist auch ganz ok, dass man sogenannte Tatsachenentscheidungen in 99% der Fälle nicht mehr umkehrt.

Das komplette Spiel nach nicht geahndeten Fouls oder Schwalben absuchen, wäre übrigens eh unmöglich. Gerade bei gelben Karten (die durchaus zu gelb-rot führen könnten), ist es oft schwierig zu beurteilen ob man sie nun geben kann/muss oder nicht. Jeder Unparteiische hat auch eine andere Linie, führt das Spiel anders. Manchmal muss man vergleichsweise kleine Fouls irgendwann bestrafen, weils sonst droht auszuarten - manchmal lässt man es bei härterem Einsteigen auch mal bei ner mündlichen Ermahnung. Das kann man nicht immer pauschalisieren, das ist auch das schöne am Fußball. Darum sollte man auch die Finger davon lassen im Nachhinein rumzupfuschen. Das würde einerseits zu mehr Diskussionen führen und andererseits die Schiedsrichter noch mehr in den Blickpunkt stellen - und im Zweifel auch noch mehr in die Schusslinie.

Edit, da mir Tiago zuvorgekommen ist:

Bin aber in jedem Fall dafür, dass der Schiri ein bisschen mehr Beistand bekommt. Leute, die das Geschehen auf mehreren Kameras beobachten um ein faireres Urteil fällen zu können. Stichwort: Torkamera.
Torkameras bzw. Chip im Bal wären in Ordnung, damit könnte ich leben (auch wenn diese nicht zu 100% fehlerfrei arbeiten!). Für Fouls und knappes Abseits jedoch bitte nicht, das würde Spiele nur unnötig in die Länge ziehen und ihnen den Fluss nehmen. Mich nervts z.B. beim Feldhockey schon total, wenn bei jeder zweiten Unterbrechung erstmal ewig auf nen Bildschirm gestarrt wird. Gerade beim Fußball wäre das fatal, weil dann spielen wir nicht mehr 90 Minuten sondern wahrscheinlich immer 120 aufwärts.

Wenn man das so handhaben würde, wozu bräuchte man dann überhaupt noch einen Schiedsrichter auf dem Feld?

Dafür fände ich eine Lösung wie beim Tennis sinnvoll, dass jedes Team mögliche Fehlentscheidungen zwar grundsätzlich anfechten kann, dass diese Möglichkeit aber zum Beispiel nach 2-3 nicht rechtmäßigen Anfechtungen entzogen wird. Dann gäb es auch nicht mehr so viele Laien-Schauspieler auf dem Platz. :ar:

wie schon erwähnt ist das angeführte Beispiel ein schlechtes, da in diesem Fall alles i.O.
Extrem unsportliches Verhalten sollte im Nachhinein IMo mit persönlichen Strafen belegt werden können.
Alles andere finde ich Quatsch.

Tennis ist eine gute Idee (ich nehme doch an du meinst das Eagle Eye?). Die Möglichkeit den Schiri in bestimmten Situationen anzweifeln zu können und nen Videobeweis hinzu zu ziehen finde ich spannend. Aber dann auch bitte mit Sanktionen, wenn man zu Unrecht meckert - sondern werden die ja nie fertig! :smiley:

Ja deswegen meinte ich ja, dass man nur maximal 2-3 mal zu unrecht anfechten dürfen sollte. Dann würde auch nur noch dann gemeckert, wenn es wirklich eine Fehlentscheidung war. Ist ja beim Tennis genauso. (Es heißt übrigens Hawk Eye, nicht Eagle Eye :bg:)

Sollten sogar Spielergebnisse nachträglich korrigiert werden (Tore! Nicht-Tore!) oder Spieler auch nach dem Spiel noch Karten erhalten (Fouls! Schwalben!)?

Das wäre viel zu viel Chaos. Dann müsste man das Spiel die ganze Zeit unterbrechen und am Ende hat keiner mehr einen klaren Überblick.

Ich glaube, du hast das falsch verstanden. Es ging darum, ob Korrekturen NACH dem Spiel erfolgen sollen, nicht nach einer Situation IM Spiel.

Dann bleibe ich trotzdem bei meiner Aussage, dass es zu viel Chaos gibt. Einmal im Rückstand kann das ganze Spiel Entscheiden, da bringt es hinter auch nichts mehr, wenn man zum Beispiel ein Abseitstor zurück nimmt. Angenommen ein Spiel ist relativ ausgeglichen und dann geht ein Team durch ein Abseitstor in Führung, dieser Rückstand kann für das hinten liegende Team schon das Ende sein. Es kommt nicht selten vor, dass sich eine Mannschaft aufgibt, wenn sie einmal in Rückstand gerät. Alles nur, weil der Führungstreffer ein Abseitstor war und sich die Mannschaft deshalb aufgegeben hat. Das Spiel würde vermutlich ganz anders ausgehen, wenn es nie zu diesem ungültigen Tor gekommen wäre. Und sowas kann man im Nachhinein schlecht ändern.

An und für sich interessant, aber irgendwie halt ich sowas auch für problematisch. Beim Tennis gibts eben nur richtig oder falsch, beim Fußball sind solche Grenzen viel verwaschener. Man denke nur an die Diskussionen um gewisse gegebene und nichtgegebene Handelfmeter. Da würde die Möglichkeit eines Einspruchs wohl eher schon zu Diskussionen während des Spiels führen.

Genauso wie die Beurteilung von Fouls ja auch variiert, da je nach Spielverlauf und Schiedsrichter auch mal für leichtere Sachen die gelbe Karte gezückt wird, anderswo dagegen für ne ähnliche Sache nur ne mündliche Ermahnung ausgesprochen wird. Sowas ist total schwierig.

Einzig und allein beim Abseits könnt ich mir sowas noch vorstellen - aber eben auch nur falls ein Tor gefallen ist und man das anfechten möchte. Weil wie will man z.B. eine Situation beurteilen, in der zu Unrecht gepfiffen wurde? Man kann dafür ja dann schlecht Elfmeter geben.

Obwohl die Möglichkeit der systematischen Spielunterbrechung auch taktisch hochinteressant sein könnte. Zum Beispiel in aufregenden Schlussphasen, in denen ein Team nen hauchdünnen Vorsprung über die Zeit retten möchte. Da könnte man das Einsetzen um ein wenig Dampf rauszunehmen und somit das System „missbrauchen“.

Ist also sehr schwierig, aber durchaus interessant darüber nachzudenken was für Folgen so ein Videobeweis hätte.

Man könnte ja im Rahmen des Videobeweises eine Jury einführen, die abstimmt ob die Entscheidung gerechtfertigt ist oder nicht. Wäre wahrscheinlich die fairste Variante, aber irgendwie sollte das schon Sport bleiben und nicht Jura werden.

Hatten wir so eine Diskussion nicht schon einmal in einem Fußballthread?

Denke einfachste Möglichkeit ist einfach, dass der 4. oder gar 5. Offizielle sich einfach bei Abseits o.ä. mit einschaltet und sich die Wiederholung anschaut.

Finde es eh unverhältnismäßig, dass sich so lange gegen die Torkamera gestäubt wurde. Schließlich geht es ja nicht nur um „Ruhm und Ehre“ sodern um mehrerer Millionen Euro. Da sollte man sich mal einiges bei den US-Sportarten anschauen.
Beim Eishockey lässt der Schriedsrichter auch erstmal das Tor zählen und falls es undurchsichtig war, unterbricht er das Spiel kurz und geht sich die Szene anschauen.

Zumindest beim DFB wurde das öfter mal damit begründet, dass man in dieser Hinsicht keinen Keil zwischen Amateur- und Profimannschaften treiben will. Erstere werden sich solche Technologien niemals leisten können.

Grundsätzlich muss ich auch sagen, dass man sich da irgendwas überlegen muss - vor allem im Bezug auf die Pokalwettbewerbe der europäischen Verbände. Weil man kann es eigentlich fast nicht machen, dass das eine Spiel mit technischer Unterstützung, ein anderes ohne auskommen muss (einfach eine Sache der Fairness). Den kleinen Vereinen aber ihre Heimspiele komplett zu nehmen - das passiert jetzt z.T. dank zu hoher Auflagen eh schon oft -, darf eigentlich nicht die Konsequenz sein. Zudem gibt es auch einige Teams in der dritten und wohl auch in der zweiten Liga, die für sowas kein Geld haben oder ein ungeeignetes Stadion (zumindest im Bezug auf die Technik, die bei der WM angewendet werden soll).

Es ist aber gut, dass sich zumindest mal was in der Hinsicht bewegt. Man kann sich nicht allem verschließen, auch wenn das manche Funktionäre glauben…

Also ich finde das menschliche daran gerade gut.
Wenn die Schiedsrichter sich mal irren oder ein Abseitstor übersehen…
Diese überkochenden Emotionen gehören doch einfach dazu.
Wenn Kameras alles perfekt regeln würden wäre Fußball langweilig und keiner würde es mehr schauen.

Gerade wenn Rudelbildung mit Körperkontakt auf dem Platz entsteht dann wird es richtig aufregend…

Aber ob diese überkochenden Emotionen ausgelöst durch Fehlentscheidungen gut zu heißen sind, finde ich etwas fraglich.
Ist ja nicht so, dass es da nur um einen Kasten Bier geht, sondern um Millionen.

Und das ohne Fehlentscheidung keiner mehr Fußball gucken würde, bezweifel ich…Eishockey unf Football (Super Bowl) schauen ja auch nicht gerade wenig Leute. Zwar gibt es ja beim Eishockey die Regel, dass man nur 2 Mal pro Spiel die Entscheidung des Schiedsrichter anzweifeln darf und er sich dann die Bilder anguckt. Beim Eishockey geht der Schiri bei schwierigen Toren auch kurz in einen Raum und schaut sich die Bilder an.

Echt? Wie öde…
Aber die dürfen auch härter an den Gegner ran die Eisis oder??
Die kloppen sich doch ständig auf dem Spielfeld.
Aber das mit dem Anzweifeln gefällt mir eigentlich ganz gut.
Kann man das im Fußball nicht auch so machen??