Frankreich will vorschnelles Altern von Geräten als Betrug ahnden
PARIS (dpa-AFX) - Wenn ein Toaster einen Monat nach Ablauf der Garantie kaputtgeht - könnte das ein speziell eingebauter Fehler sein? In Frankreich soll das absichtliche vorschnelle Altern zum Beispiel von Elektrogeräten künftig als Betrug bestraft werden. Ein entsprechendes Gesetz hat bereits die erste Hürde im Parlament genommen.
Verbraucherschützern liegt das Thema schon lange am Herzen, auch in Deutschland - im Fachjargon wird es als „Obsoleszenz“ bezeichnet. Damit ist gemeint, dass in Produkten bewusst Bestandteile verarbeitet werden, die vorzeitig altern oder geringere Qualität haben. Das Gerät kann dann schneller nicht mehr genutzt und muss früher ersetzt werden. Als Beispiel gelten Geräte, bei denen ein Akku nicht austauschbar ist. Die Hersteller weisen die Vorwürfe jedoch zurück.
Wer sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt hat sollte diese Doku von Arte sehen.
Ich finds richtig, dass man dagegen vorgeht. Allerdings hat man die gesamte Wirtschaft gegen sich und das macht es umso schwieriger wenn nicht unmöglich in unserer marktkonformen Demokratie.
Das Problem ist ja das der Konsument schon alles hat. Deshalb muss man ihm alte Sachen erneut verkaufen, sonst stockt die Wirtschaft.
Ich finde das auch Mist und deshalb befürworte ich ein Vorgehen gegen die geplante Obsolenz.
Bei und sagte man mal am Telefon, als wir einen kaputten Fernseher beim Hersteller gemeldet hatten „nach zwei Jahren möchte der Kunde ja auch einen neuen Fernseher.“
Ein Fernseher ist bei mir ein Produkt, welches ich alle 10 Jahre mal erneuere - wenn überhaupt..
Der technische Fortschritt wird eben immer schneller und die Industrie möchte, dass der Konsument im Idealfall schon nach 2 Jahren zum neuen Produkt greift.
Dieser Schritt fällt natürlich leichter, wenn das alte Produkt kaputt ist oder langsamer läuft als gewohnt.
Apple macht das ja auch softwareseitig.
Gut, die alten Geräte werden noch vergleichbar lange unterstützt und mit Updates versorgt (siehe iPhone 4 und 4s), was in Smartphone-Zeiten schon spitze ist, aber die alten Geräte laufen dann durch die neuesten Updates wesentlich langsamer, was den ein oder anderen Nutzer schon mal zum Überlegen bringt, sich ein neues Gerät zu kaufen.
Bei unserer Weckwerfgesellschaft waere es schoen, wenn Produkte einfach mit groesserer Qualitaet hergestellt werden wuerden und entsprechend laenger „leben“ wuerden. Aber Qualitaet hat seinen Preis, und bei den Kaempfen auf dem Markt ist ein Entscheidungsfaktor ja auch immer der Preis. Und da die Hersteller ja nur aufs Geld gucken (moeglichst wenig fuer die Produktion ausgeben und viel mit dem Verkauf einnehmen), wird an den Sachen gespart, die der Verkaeufer nicht unbedingt direkt mitbekommt.
Dieses Verfahren wird ja nicht nur im Elektrobereich angewandt.
Ein persoenliches Beispiel zum Thema / Die 60.- Euro Staubsauger von AEG/Siemens etc.:
Wie oft hab ich mich oder auch meine Mama sich darueber geaergert, entweder man hat keine Staubsaugerbeutel mehr fuer das Modell bekommen oder das Kabel liess sich nicht mehr einziehen oder ne Rolle ging kaputt, natuerlich alles nach den 2 Jahren Garantie/Gewaehrleistung. Total nervig.
Deshalb hab ich mir vor 7 -8 Jahren einen Vorwerkstaubsauger gekauft. Das Ding war natuerlich nicht billig, aber sein Geld wert. Ich hab mich noch nie ueber diesen Staubsauger geaergert und bisher (toi,toi,toi) funktioniert er noch wie am ersten Tag. Ich will ihn nicht missen. Zumal er auch noch eine wesentlich bessere Saugleistung hat als alle anderen Staubsauger die mir bisher begegnet sind.
Oftmals wird einem technischer Fortschritt aber auch nur vorgegaukelt. Erst bringen sie Fernseher raus die HD Ready sind kurz danach Fernseher mit Full HD dann Full HD Fernseher mit 3D bei denen das 3D Bild nur in HD Ready ist und danach Full HD Fernseher mit Full HD 3D und jetzt Fernseher mit 4k Auflösung. Auf die Minifortschritte bei den jährlichen Handyupdates brauch ich wohl nicht näher eingehen.
Es gibt bereits Kristallspeicher die ungemein riesige Datenmengen speichern können aber man hält weiterhin an konventionellem Speicher fest weil sich damit noch Geld verdienen lässt. So lange bleibt die neue Technologie in den Schubladen..
Die Glühlampe wird in Europa sicher nicht wegen dem Umweltschutz verboten, in der Hinsicht sind Energiesparlampen mit ihrem Quecksilber viel gefährlicher. Nein sie wird verboten weil sich damit kein Geld mehr verdienen lässt!
Ich denke man muss hier die Relation im Auge behalten. Früher haben Fernseher 20 Jahre gehalten, die heutigen schaffen das theoretisch auch. Wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass die Leuchtkraft nachlässt. Anders ist es bei Produkten, bei denen absichtlich minderwertige Teile verbaut wurden, damit sie eben keine 20 Jahre halten. Hier muss man sich dann aber die Frage stellen, woran wird gemessen ob ein Teil minderwertig ist oder nicht und hat die Qualität auch etwas mit dem Preis zu tun? Kann ich von nem 20€ Toaster erwarten, dass er nach 2 Jahren immer noch funktioniert? Wie lange muss dann ein Toaster halten der 60€ kostet? Und zum Thema „Geld verdienen“, obwohl ich hier lieber den Schmuhbegriff der Wirtschaftlichkeit benutzen möchte: Wenn eine Firma Produkte herstellt, die lange halten und die Kunden deshalb weniger kaufen, dann wird die Wirtschaftlichkeit dieser Firma herabgestuft, was sich wiederum auf die Aktien auswirkt und somit auf das Geld, welches die Aktionäre bekommen respektive nicht bekommen.
Um dem Ganzen hier aber einen produktiven Drall zu geben, ohne in die "Wir können eh nicht viel machen "-Schiene abzudriften: Wie wäre es mit Eigenständigkeit bei Instanthaltung von Produkten? Es gibt Vereine die es sich zum Ziel gesetzt haben den Verbrauchern wieder mehr Eigenständigkeit beizubringen. Beispielsweise ihnen zu zeigen wie man Geräte repariert (von Toastern bis zu Laptopts), so richtig mit aufmachen, Teile ersetzen und löten. Wollte eigentlich schon länger mal einen Topic aufmachen zum Thema Eigenständigkeit vs. Vorgefertigte Lösungen im Denken und Konsumieren.
Ich mache das schon so, kaufe auch mal gebraucht. Was geht wird repariert. Allerdings wird das leider zusehends schwieriger. In Spanien gibt es seit der großen Krise immer mehr Bürgerwerkstätten. Da wird den Leuten geholfen ihr Toaster wieder in Schuss zu kriegen.
Hier ist ja oft das Problem das die Dienstleistung teurer ist als der Warenwert. Selbst kann und will man sich damit nicht auseinander setzen.