Hochwasser (Mai/Juni 2013)

Die meisten werden es aus den Nachrichten mitbekommen, vielleicht sind einige aber sogar selbst betroffen:

In vielen Gegenden Deutschlands hat starker, anhaltender Regen ganze Landstriche unter Wasser gesetzt. Einige Städte erwarten sogar die höchstens je gemessenen Pegelstände.

Hier mal ein kleiner Link zum nachlesen: klick

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edit:

Hier die aktuellen Pegelstände: http://www.hochwasserzentralen.info/
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Wohnt jemand von euch in einem der Gebiete, oder in der Nähe? Was machen dort die Städte für die Bewohner?

Oder hattet ihr sowas schon zuvor miterlebt?

Ich muss sagen, dass ich bisher gut verschon geblieben bin. Vom aktuellen Hochwasser habe ich nur bei meinem Aufenthalt in Pinneberg vor 2 Wochen etwas mitbekommen, dort hatte sich die Pinnau in den angrenzenden Gärten breit gemacht. Könnte sich aber noch auf mich auswirken: nächste Woche Donnerstag soll es in Urlaub ins Berchtesgardener Land gehen, dort sieht es aktuell auch alles andere als gut aus. Schulen sind geschloßen, öffentlicher Nahverkehr teils lahm gelegt.

Mein Heimatort liegt direkt am Rhein und vor einigen Jahren wurde der Damm gehörig aufgestockt. Heute Morgen war das Hochwasser wirklich an der obersten Grenze des Damms, wir wurden aber zum Glück verschont. Kein Wasser im Keller, kein Wasser in den Straßen. Nur 20 Kilometer weiter sieht es da schon ganz anders aus mit überfluteten Straßen dank eines kleinen Bachs im Dorf.

Ich laufe im T-Shirt rum, geh Eis essen, in den Park und sehe der Sonne beim Scheinen zu.
Da kann man schnell vergessen, dass es in anderen Teilen von Deutschland gerade feucht zugeht. Wenn ich mir das in Zeitungen so anschaue, scheint es ziemlich schlimm zu sein, meine Tante wohnt auch unten in Bayern, aber unter Wasser steht das Haus noch nicht.
Wenn ich in den Garten schaue, kann ich mir nichtmal vorstellen, wie dort alles voll Wasser sein könnte, sowas hab ich auch noch nie miterleben dürfen.
Aus Hamburg ist die Feuerwehr auch schon unterwegs in den Osten/Süden und die Bundeswehr sowieso.
Hoffentlich zieht der Regen bald weiter. Aber nicht nach oben.

Also ich bin Gott sei Dank auch verschont geblieben. Bei uns hier ist recht gutes Wetter. Aber ist schon heftig, was man alles so hört.

Bei uns führt der Rhein hochwasser. Allerdings nicht so viel wie im Osten oder Süden, dennoch ist trailern recht schwierig.

Sicherlich wird unser DLRG Landesverband bald gerufen.

Bei uns führt die Weser und werra Hochwasser. Das größere Problem sind aber die Hangabrutsche so das die Straßen vollgesperrt sind und die Leute nicht mehr aus ihren Orten rauskommen.

Bei uns führt die Weser und werra Hochwasser. Das größere Problem sind aber die Hangabrutsche so das die Straßen vollgesperrt sind und die Leute nicht mehr aus ihren Orten rauskommen.

Ich wurde gestern von Daniel dazu angeregt, meine Story mal hier reinzuschreiben, also:

Ich bin Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes, in dem mein Elternhaus liegt, wohne dort aber eigentlich gar nicht mehr, sondern komme nur jedes oder jedes zweite Wochenende vorbei, bin aber noch aktiv im Dienst. Das Dorf liegt auf dem Berg und somit außerhalb des Einflusses des Hochwassers, jedoch nah bei der Saale. Ich kam Freitag aus Leipzig nach Hause und hatte schon bei der Zugfahrt Richtung Naumburg die ganzen überschwemmten Gebiete direkt vor Augen.
Am Samstag früh wurde ich geweckt (von meiner Freundin, die von der Sirene gewckt wurde). Wir wurden nach Dorndorf-Steudnitz, eine Kleinstadt an der Saale gerufen. Unsere Aufgabe war es im Steinbruch/Betonwerk, Sandsäcke zu befüllen… den ganzen Tag lang, nur unterbrochen von einer Pause, um den Einwohnern unter die Arme zu greifen, ihre Häuser zu sichern. Zum Mittag gab’s lecker Linsensuppe direkt zur Baustelle geliefert. Nach 2800 gefüllten Säcken und 8 Stunden Arbeit (von 6:30 bis 14:30) ging’s dann schließlich nochmal nach Camburg zur Einsatz leitung, wo man uns sagte, wir sollten uns zwischen 8 und 9 Uhr abends bereithalten und dann anch Hause, wo ich mich sofort ins Bett legte.
Gegen 7 stand ich auf, wusch mich und aß zu Abend. Dann wartete ich auf die Sirene. Mitternacht kam und ging und ich entschied mich zu schlafen. Dann 2:30 (natürlich schon Sonntag) stand ich kerzengerade im Bett, als die Sirene ging. Diesmal ging ich gemütlich zum Gerätehaus, so wie alle anderen auch (unsere Ausrückzeit von 3 Minuten war diesmal ja nicht nötig). Diesmal ging es nach Camburg, wo die Pumpen hinter einer Sandsack-Barrikade ausgefallen waren. Wir luden unsere ab und holten noch eine aus einem Nachbardorf. Den Rest des viormittags verbrachten wir damit, Sandsäcke von der Straße, eine Treppe hinunter zu der Nische, wo wir Stellung bezogen hatten zu bringen. Dann ging es an die Einteilung für ein Schichtsystem.
Unsere 11 Mann starke Truppe wurde geteilt: 5 für den Rest des Tages, 6 für die Nacht. Ich kam in die Nachtschicht und wurde nach Hause gebracht. 5:30 waren wir im Gerätehaus und tranken noch ein Bier. Ich legte mich auch direkt ins Bett und schlief bis zum Mittagessen durch. Danach schrieb ich noch meinem Chef eine Mail und reichte Sonderurlaub ein. Um 4 versammelten wir uns wieder am Gerätehaus und wurden dann abgeholt.
In Camburg stak ich von 4 bis nach Mitternacht in einer Gummihosen-Gummistuefel-Kombo (Einteiler) und war fast durchweg damit beschäftigt den Sandsackwall zu stärken, da er immer wieder drohte zu brechen. Nach Mitternacht hatten wir die, wie wir dachten unmögliche Aufgabe dank der vielen freiwilligen Helfern bewältigt und der Wall stand. Ab dem Moment ging es nur noch um die Wartung der mittlerweile vier Pumpen. Ich verbrachte die Zeit mit dem räumen von Geräten und ein paar wenigen viel zu kurzen Nickerchen im Feuerwehrwagen, auf einem Geländer, oder wo man gerade sitzen konnte. Im nachinein ist es verwunderlich, dass ich keine Erkältung davongetragen hatte. Um 5:00 wurden wir dann von drei ausgeschlafenen Kameraden abgelöst.
Am nächsten Tag schlief ich von 6:00 bis 15:00 durch und fuhr dann zurück nach Leipzig.

Zur Zeit ist arbeiten auch nicht das wahre, da das Hochwasser in Halle(Saale) gerade sehr unschöne Ausmaße angenommen hat und die Verkehrsgesellschaft total überfordert ist und scheinbar keine Ahnung hat, was sie machen. Gestern früh gab es Schienenersatzverkehr, von dem niemand wusste, dass er fährt und dann, als er endlich im Netz stand, wurde er abgeschafft. Statt dieses Chaos weiter mitzumachen, arbeite ich den Rest der Woche im Hauptsitz in Leipzig (10 Minuten Fußweg von zu Hause entfernt).

Hoffentlich bessert sich die Situation bald. Nicht, dass ich nochmal so ein hartes Wochenende habe.
btw: Arbeitszeit von Samstag früh bis Montag früh: 26 Stunden.

Danke für den ausführlichen Bericht :slight_smile: Ist mal ganz was anderes, das von einem aktiven Helfer zu hören. Nur durch die Nachrichten weiss man ja garnicht, was da wirklich für ne Knochenarbeit drin steckt, und vor allem über welche Zeiträume.

Wirklich freiwillig war’s nicht. Wie sagt doch der Kreisbrandinspektor immer? „Nur der Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr ist freiwillig. Dann kommen nur noch Pflichten.“
Trotzdem hab ich’s gern gemacht.
Aber mit Knochenarbeit hast du nicht Unrecht. Schlepp mal in einer Nach hunderte von Sandsäcken durch dreckiges Wasser. Das ist kein Zuckerschlecken. Deshalb hab ich auch Respekt vor den Leuten, die uns geholfen haben und deren Häuser nicht in unmittelbarem Gefahrengebiet waren.
Ein Mann sagte am Samstag zu uns: „Wenn ein Fußballspieler, der Millionen verdient ein Tor macht, wird der als Held gefeiert. Das ist er aber nicht. Ihr seid die wahren Helden.“ Echt schön so was zu hören.

Derzeit wohne ich noch in Dresden, und zwar direkt in der hochwassergefährdeten Altstadt. Aber so schlimm wie 2002 soll es nach offizieller Version nicht sein. Naja wenn das mal nicht überheblich ist, denn die Natur soll man nie unterschätzen. Denn der andere Dresdner Fluß, Weißeritz, hat sich ja 2002 mit Gewalt sein altes Flußbett eingenommen.

Oha. Finds auch echt mitreissend das mal von einem Betroffenen bzw. Helfer zu hören. Ich kann den Leuten und dir auch nur meinen Respekt ausdrücken, glaub auch von außen kann man sich das gar nicht vorstellen.
Wollen wir hoffen dass sich die Lage in den betroffenen Gebieten schnell wieder normalisiert.

Gerade kam eine Rundmail in meinem Arbeitspostfach (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ): „Die Grimmaer Innenstadt wurde heute für freiwillige Helfer freigegeben. Vielleicht mag ja jemand einen Bus voll mit UFZlern organisieren?“
Find ich gut und hoffe, dass es dazu kommt.

Der Chef meiner Freundin, einer der reichsten Männer Halles hat sich eine Wagenladung Brötchen gekauft und die mit dem Betriebsleiter persönlich geschmiert. Die gingen dann an die Helfer.

Zu Hause ist der Katastrophenalarm aufgehoben. Leider spitzt es sich in Halle weiter zu. :frowning:

Da sieht man mal wieder, dass jeder irgendwie mithelfen kann. Selbst wenn er die Brötchen nicht gekauft
hätte: Messer schnappen, Brötchen schmieren, Helfer bei Kräften halten reicht auch!

Hab noch ne sehr informative Seite dazu gefunden:

Packs mal per Edit oben rein.

Bei uns ist nur die Nachbarstadt und ein sehr kleiner Teil unserer Stadt betroffen wurden. Dann irgendwann sind die Pegel gesunken und es hat sehr viel Schaden in den Nachbarstädten gegeben bei uns allerdings nicht. Wir haben echt Glück: Wir haben keinen Keller und wohnen weit weg vom Wasser. Nicht mal 2002 haben wir Wasser gehabt, nur ein paar Pfützen.

Das THW Celle hat mit einem echt tollen Video aus Playmobilfiguren ihren Dank an die vielen Helfer ausgedrückt (Beispiel im Video: DLRG, DRK, THW selber (andere OVs), Feuerwehr usw.) Finde ich sehr gelungen, am meisten da das THW ja auch geholfen hat.
So eine Geste ist natürlich klasse!
Link: http://www.retter.tv/de/thw.html?ereig=-THW-Celle-bedankt-sich-bei-Hochwasser-Helfern-&ereignis=20715