Ich wurde gestern von Daniel dazu angeregt, meine Story mal hier reinzuschreiben, also:
Ich bin Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes, in dem mein Elternhaus liegt, wohne dort aber eigentlich gar nicht mehr, sondern komme nur jedes oder jedes zweite Wochenende vorbei, bin aber noch aktiv im Dienst. Das Dorf liegt auf dem Berg und somit außerhalb des Einflusses des Hochwassers, jedoch nah bei der Saale. Ich kam Freitag aus Leipzig nach Hause und hatte schon bei der Zugfahrt Richtung Naumburg die ganzen überschwemmten Gebiete direkt vor Augen.
Am Samstag früh wurde ich geweckt (von meiner Freundin, die von der Sirene gewckt wurde). Wir wurden nach Dorndorf-Steudnitz, eine Kleinstadt an der Saale gerufen. Unsere Aufgabe war es im Steinbruch/Betonwerk, Sandsäcke zu befüllen… den ganzen Tag lang, nur unterbrochen von einer Pause, um den Einwohnern unter die Arme zu greifen, ihre Häuser zu sichern. Zum Mittag gab’s lecker Linsensuppe direkt zur Baustelle geliefert. Nach 2800 gefüllten Säcken und 8 Stunden Arbeit (von 6:30 bis 14:30) ging’s dann schließlich nochmal nach Camburg zur Einsatz leitung, wo man uns sagte, wir sollten uns zwischen 8 und 9 Uhr abends bereithalten und dann anch Hause, wo ich mich sofort ins Bett legte.
Gegen 7 stand ich auf, wusch mich und aß zu Abend. Dann wartete ich auf die Sirene. Mitternacht kam und ging und ich entschied mich zu schlafen. Dann 2:30 (natürlich schon Sonntag) stand ich kerzengerade im Bett, als die Sirene ging. Diesmal ging ich gemütlich zum Gerätehaus, so wie alle anderen auch (unsere Ausrückzeit von 3 Minuten war diesmal ja nicht nötig). Diesmal ging es nach Camburg, wo die Pumpen hinter einer Sandsack-Barrikade ausgefallen waren. Wir luden unsere ab und holten noch eine aus einem Nachbardorf. Den Rest des viormittags verbrachten wir damit, Sandsäcke von der Straße, eine Treppe hinunter zu der Nische, wo wir Stellung bezogen hatten zu bringen. Dann ging es an die Einteilung für ein Schichtsystem.
Unsere 11 Mann starke Truppe wurde geteilt: 5 für den Rest des Tages, 6 für die Nacht. Ich kam in die Nachtschicht und wurde nach Hause gebracht. 5:30 waren wir im Gerätehaus und tranken noch ein Bier. Ich legte mich auch direkt ins Bett und schlief bis zum Mittagessen durch. Danach schrieb ich noch meinem Chef eine Mail und reichte Sonderurlaub ein. Um 4 versammelten wir uns wieder am Gerätehaus und wurden dann abgeholt.
In Camburg stak ich von 4 bis nach Mitternacht in einer Gummihosen-Gummistuefel-Kombo (Einteiler) und war fast durchweg damit beschäftigt den Sandsackwall zu stärken, da er immer wieder drohte zu brechen. Nach Mitternacht hatten wir die, wie wir dachten unmögliche Aufgabe dank der vielen freiwilligen Helfern bewältigt und der Wall stand. Ab dem Moment ging es nur noch um die Wartung der mittlerweile vier Pumpen. Ich verbrachte die Zeit mit dem räumen von Geräten und ein paar wenigen viel zu kurzen Nickerchen im Feuerwehrwagen, auf einem Geländer, oder wo man gerade sitzen konnte. Im nachinein ist es verwunderlich, dass ich keine Erkältung davongetragen hatte. Um 5:00 wurden wir dann von drei ausgeschlafenen Kameraden abgelöst.
Am nächsten Tag schlief ich von 6:00 bis 15:00 durch und fuhr dann zurück nach Leipzig.
Zur Zeit ist arbeiten auch nicht das wahre, da das Hochwasser in Halle(Saale) gerade sehr unschöne Ausmaße angenommen hat und die Verkehrsgesellschaft total überfordert ist und scheinbar keine Ahnung hat, was sie machen. Gestern früh gab es Schienenersatzverkehr, von dem niemand wusste, dass er fährt und dann, als er endlich im Netz stand, wurde er abgeschafft. Statt dieses Chaos weiter mitzumachen, arbeite ich den Rest der Woche im Hauptsitz in Leipzig (10 Minuten Fußweg von zu Hause entfernt).
Hoffentlich bessert sich die Situation bald. Nicht, dass ich nochmal so ein hartes Wochenende habe.
btw: Arbeitszeit von Samstag früh bis Montag früh: 26 Stunden.