Manhunt 2 schadet der Industrie

Interessante Sichtweise wie eine Alterseinstufung ausgehebelt und abgestumpft wird ( Top) :wink:

David Braben sollte man vor allem durch das populäre Elite kennen. Zuletzt hat sein Studio Frontier Developments unter anderem Thrillville oder Rollercoaster Tycoon 3 entwickelt und bastelt derzeit an dem NextGen-Titel The Outsider.

In einem aktuellen Interview äußerte sich Braben nun zu Manhunt 2, das seiner Meinung nach dem Ansehen der Industrie schadet.

„Ich denke, die Wurzel des Problems liegt bei den Erwartungen der Eltern, dass man die Einstufungen von ESRB, PEGI und BBFC (oder USK) ignorieren könne - wofür wahrscheinlich die eigenen Erfahrungen mit Spielen in ihrer Kindheit verantwortlich sind“, so Braben.

„Es hat einige Spiele mit merkwürdigen Einstufungen gegeben, zum Beispiel Gears of War ( 18 ). Für mich ergibt das keinen Sinn. Warum ist es nicht ab 15 (englisches System)? Okay, im ersten Abschnitt hängen einige etwas grauenhafte Körper herum, aber sowas erwartet man auch in entsprechenden Filmen (ab 15) wie Alien vs. Predator oder in den Terminator-Streifen.“

Wenn sich ein Spiel nun wirklich zurecht die Freigabe ab 18 Jahren verdient, ist es für die Eltern also scheinbar nicht schlimmer als Gears of War. Aus diesem Grund hat man wohl auch Manhunt 2 verboten, weil man ihm nicht die gleiche Einstufung geben konnte. Nach dem zu urteilen, was ich über Manhunt 2 gehört habe (ich selbst konnte es noch nicht ausprobieren), sollte die Industrie solche Spiele nicht entwickeln, da sie unweigerlich zu Diskussionen führen."

Braben weiter: „Obwohl Manhunt 2 Rockstar vielleicht kurzzeitig etwas Aufmerksamkeit bringt, schädigt es doch auf lange Sicht gesehen den Ruf der Industrie. Wir brauchen ein starkes und konsequentes Einstufungssystem, bei dem „ab 18“ auch wirklich „ab 18“ bedeutet und das ernsthaft durchgesetzt wird. In diesem Falle wäre es möglicherweise etwas akzeptabler, solche Spiele zu machen. Oder man führt (wie in den USA) eine weitere Einstufung „Adults only“ ein und verkauft diese Titel ausschließlich in speziellen Abteilungen.“

Quelle:Eurogamers .de

Original von Gonzo
Oder man führt (wie in den USA) eine weitere Einstufung „Adults only“ ein und verkauft diese Titel ausschließlich in speziellen Abteilungen."

Wenn dann ungeschnitten, sage ich: „Gerne!“

Ist auch voll meine Meinung. :wink:

Ist doch aber erstmal nur ein britisches Problem (meinetwegen auch australisches und was weiß ich noch). Wenn die nur Alterseinstufungen hätten, die bei 15 das Maximum erreichten, deren Pech. Unser und auch deren „Adults Only“ heißt FSK18, USK18 und „keine Jugenfreigabe“, bzw. „ohne Freigabe“ usw.. Lösen tun diese höheren Beschränkungen auch nicht viel, obwohl seit der FSK-Erneuerung weniger Spiele indiziert worden sind, als vorher, weil Spiele, die eine korrekte 18er Freigabe erhalten haben, nicht mehr nachträglich indiziert werden.

Zu dem Punkt, dass manche Spiele zu hoch bewertet werden und sich das für brutalere Titel mit gleicher Freigabe seltsam anfühlt, bzw. dass heutige 18er-Spiele brutaler sind als früher: Meiner Meinung nach stimmt das. Bei Filmen ist das genauso - noch vor wenigen Jahren indizerte Filme werden heute vom Index gestrichen und erhalten nicht selten auch noch eine neue Freigabe „ab 16“. Bei Spielen dauert’s meist länger bis zur Streichung (siehe „River Raid“, der Klassiker der in der BRD indizierten Spiele).

In meiner Jugend konnte man USK18-Spiele auch noch ganz leicht im Laden kaufen oder telefonisch bestellen und per Vorkasse oder Nachnahme per Post schicken lassen. Ein Adventure namens „Phantasmagoria“ hat mich mit 14 nicht sehr geschockt, ich kannte härtere Splatterfilme mit besserer Grafik. Warum der zuerst ab 16 freigegebene zweite Teil dann indizert wurde, verstehe ich heute noch nicht.

Andere Spiele, die heute ab 16 sind, wären vor 10 Jahren in diesem Land gar nicht erst erschienen. Kann man Verfall der Kultur nennen, oder auch die Einsicht, dass Spiele (wie auch Filme und Bücher) fast immer die realen Verhältnisse widerspiegeln. Das Problem ist nur der Tiefgang: Während Bücher, klassisches Theater, Opern usw. ihre Kritik so transportieren, dass das geneigte Publikum nicht nur Amusement bei der Rezeption hat, sondern auch darüber reflektieren kann und will. Mit der Erweiterung der „Zielgruppen“ weg von der gebildeten Elite hin zum „Jedermann“ (ging ja auch nicht anders, nachdem Bildung für alle zugänglich gemacht wurde) veränderte sich alles. Künstlerische Werke müssen sich mehr nach dem Geschmack richten, was dazu führte, dass zum Beispiel Kinderbücher von Erwachsenen gelesen werden, die sich nur noch unterhalten lassen wollen (oder welche Gedanken setzte „Harry Potter“ sonst in Bewegung?). Bei Filmen, Musik sowieso. Das Verhältnis von Seicht:Anspruch ist über die Jahrhunderte stark nach Seicht verlagert worden. Wie gesagt, eine natürliche Anpassung der Kunstschaffenden und Vertreiber an den Markt (den sie und die Rest-Gesellschaft gemeinsam schufen).

Videospiele als junges Medium stiegen erst an einem Punkt der Geschichte ein, wo der Anspruch schon längst von der leichtverdaulichen Unterhaltungskost verdrängt, zumindest aber in Nischen zurückgedrängt wurde. Sie hatten nie die Chance, Tiefgründiges zu transportieren.

Mit dem technischen Fortschritt in der Präsentation ging über lange Zeit eine weitere Verschiebung in diese Richtung. Erst vor wenigen Jahren begannen einige Entwickler zunächst nur mit der Behauotung, sie würden irgendetwas kritisieren wollen, zum Nachdenken und Diskutieren anregen wollen. Das eine oder andere Projekt soll dan angeblich sogar dieser Behauptung nachgekommen sein - gespielt habe ich selbst noch keins. Auch Westwoods „Blade Runner“ z.B. war nur eine weitere Interpretation von P.K. Dicks „Do Androids dream of electric Sheep?“, das wiederum auch nur eine weitere ‚Episode‘ in des Autors lebenslange Suche nach der Wahrheit der Existenz war.

Ich bin gespannt, ob in Zukunft noch Spiele mit „Message“ veröffentlicht werden. Falls doch, dann werden sie zwar ihr Publikum finden, aber wirtschaftlich uninteressant und damit auch Raritäten am Markt bleiben.

So, erstmal fertig. Ich bin sicher, zwischendurch ab und zu davon abgekommen zu sein, was ich eigentlich sagen wollte. Aber ich habe den Bogen bestimmt noch gekriegt. Sollte bei Euch drei Leuten, die Ihr meinen Beitrag vollständig gelesen habt, noch etwas unklar sein, dann fragt nach.

Toller Beitrag , solche Ausführungen machen ein Forum ----------> zu einem Forum.

Anspruch wirst du aber in der Masse vergeblich suchen . ( Natürlich bewegen sich die ,die Anspruch suchen auch darin )
Das war aber vor Jahrhunderten auch nicht anderst. Die „zwei Klassen Gesellschaft“ zwischen Anspruch und Seicht ,hat die Zeiten überdauert.

In einer industriellen Wirtschaft kann aber erst etwas erschwinglich werden ,wenn es in Massen produziert wird. Seichter Schlonz ,verpackt mit ein paar großen Namen ( EA ? :bg: ) verkauft sich nun mal wie geschnitten Brot. EA ist unter anderem darum so groß geworden. ( Konsequent die Masse bedienen ).
Das gilt aber nicht nur für die Videospiele. Wieviele Filmperlen floppen an der Kasse ,weil das gemeine „Volk“ einfach zu faul zum nachdenken ist ( oder zu dumm? )

Das Threadthema ghet aber eigentlich dahin , daß der ü18 Bereich aufgeweicht und ständig verschoben wird .
Die Folge ist Misstrauen ,Unseriösität und der Verlust der Glaubwürdigkeit.
Alles Dinge die der Markt nicht braucnen kann