Mindestlohn

Das Thema gibt es ja schon lange, immer mal wieder etwas lauter, dann wieder leiser, und nun liegt es wieder in der Mitte vom Tisch.

Für alle, die es geschickt umgangen haben:

In Zukunft soll es für alle einen Mindestlohn von 8,50€/Stunde gegeben, unabhängig davon ob man gelernte Fachkraft oder Aushilfe ist. Über Ausnahmen (Studenten, Azubis, Praktikanten, Rentner…) wird noch fleißig diskutiert.

Hier nochmal eine kleines Interview zum Thema auf n-tv.de

Ohne großen weiteren Text würde ich gern eure Meinung wissen:

Kann das gutgehen? Ist es sinnvoll?

Ich denke: Das wird nichts. Ich sehe da eher die Konsequenzen, mal anhand eines kleinen Beispiels:

Wenn im kleinen Supermarkt um die Ecke die Regaleinräumer nun nicht mehr nur 5€/Stunde, sondern 8,5€/Stunde bekommen, wird der Markt seine Preise entsprechend anpassen um das zu kompensieren. Dadurch werden die Lebensmittel teurer, was nicht nur bedeutet, dass die Mindestlohnarbeiter mit von ihren paar € mehr weniger haben als gedacht: auch meine 127,8€/Stunde (Wert fiktiv doch nahe am tatsächlichen Wert gewählt) werden dadurch „entwertet“.

Dazu stellt sich natürlich eine gewisse Frage der „Fairness“: eine ausgebildete Kraft verdient dadurch unter Umständen genauso viel wie eine Aushilfe - kann das wirklich Sinn und Zweck sein?

Flächendeckend sehe ich da auch einige Probleme. Einerseits wegen den zwangsläufig folgenden Preiserhöhungen und andererseits wegen der angesprochenen Fairness. Es sollte IMO zwischen Branchen differenziert werden, dass die, die auch wirklich körperlich hart arbeiten und voll ausgelastet sind und/ oder wichtige soziale Arbeiten ausüben, mehr in der Tasche haben als ein Sesselfurzer. Also beispielsweise Fließbandarbeiter, Friseure, Erzieher bis hin - ganz wichtig - zu den Pflegekräften.

Ich gehöre übrigens zu den Sesselfurzern.

Der Regaleinräumer für 5€/Std. (wie soll man davon eine Familie ernähren) wird mit diesem Lohn definitiv ein Aufstocker sein. Warum soll ich mit meinem Steuergeld Ausbeuterfirmen subventionieren damit diese Arbeitgeber ihren Mitarbeitern niedrige Löhne zahlen. Und 8,50€ ist definitiv kein Facharbeiter Lohn!

Das ist mir schon klar, aber wenn dann in Folge des Mindestlohns alles teurer werden sollte befürchte ich, dass man mit 8,5€/Stunde genauso gut auskommen wird wie vorher mit 5€, sprich: kein Vorteil trotz mehr Geld. [Oder zumindest: man hat nachher nicht tatsächlich die 3,5€ mehr zur Verfügung]

Kommt auf’s Fach an :wink:

8,50€ wäre schon große Klasse. Zur Zeit ist es ja leider so das manche Vollzeit arbeiten für einen Lohn der nach allen Abzüge kaum mehr ist als ein 400€ Job.
Wenn eine Aushilfskraft fast genauso viel bekommt wie eine Fachkraft, dann würde ich eher behaupten, dass die Fachkraft zu wenig bekommt. Allgemein ist das Problem das die reichen sich immer mehr bereichern.
Gerade im Verkauf wird entlassen was das Zeug hält. Es ist mit 5 Leuten machbar, aber verdammt knapp, manche müssen Doppelschichten arbeiten, 7 Tage die Woche ohne Pause durch? Na dann ist es auch mit 4 Leuten machbar! Spart man schonmal eine Arbeitskraft ein! Solange es solche Arbeitgeber gibt, wird es auch keine faire Bezahlung geben.

Zu den Preisen im Supermarkt: ich fände es am sinnvollsten wenn der ganze Billigdreck einfach nichtmehr verkauft wird. Wenn alle nur noch auf Qualität achten würden, dann könnte sie auch viel günstiger angeboten werden. Aber solange die Deutschen für Zahnpasta nicht mehr als 70Cent ausgeben wollen, das Brot unter 1€ kosten muss und jedes Duschgel das über 1€ kostet als überteuert ansehen… da sehe ich schwarz!
Wer an jeder Ecke an Qualität einspart, darf sich nicht wundern wenn das Zeug zwar immer günstiger wird, aber man immer weniger Qualität bekommt.

Zum Thema Billig:

Natürlich sollte man Billigprodukte nicht unterstützen und mehr auf Qualität achten, nur da wären wir wieder beim lieben Geld: wie soll man sich die teureren Qualitätsprodukte leisten können? Wenn die Löhne und Gehälter nicht steigen, kann man das knicken. Und nur weil ein ganzes Volk plötzlich nur noch Qualitätssachen kauft, werden diese nicht günstiger. Der Unternehmer hätte gar keinen Grund den Preis zu senken, wenn sich das Produkt gut verkauft.

Neben der Gefahr, dass die Preise nach der Einführung eines Mindestlohns steigen werden, gibt es natürlich noch die Angst vor Entlassungswellen. Denn wo spart der Unternehmer als aller erstes?

Auf der anderen Seite könnte die Steuer gesenkt werden weil man sich die teure Subvention spart.

53 Milliarden von 2007-2011

Man wird kaum Leute entlassen können weil könnten die Ausbeuterfirmen auf diese Leute verzichten würden sie das sofort tun. Wie will man auf Hermes,DPD, etc. Zusteller verzichten beispielsweise?

Die gierigsten Unternehmen finden schon Mittel und Wege. Zur Not wird eine Stelle gestrichen und andere müssen die anfallende Mehrarbeit einfach übernehmen, sonst fliegen die auch. Man ist als Arbeitnehmer in so einem Moment versklavt und steht mit dem Rücken zur Wand.

Paketdrohnen? Zumindest für kleinere Sachen ist sowas schon angedacht.
http://heise.de/-2058436
http://heise.de/-2084574

Zum Thema Mindestlohn:
Einen flächendeckenden, allgemeingültigen Mindestlohn halte ich für ziemlichen Schwachsinn, da er zuviel über den gleichen Kamm schert, da man auch nach Regionen und Berufen differenzien muss. Wie Knacht schon sagte, sind die Lebensunterhaltskosten im Süden halt höher im Osten, weswegen für den Schwaben 8,50 Euro sehr viel weniger sind als für den Sachsen.

Man sollte da schon zwischen einzelnen Regionen und auch Berufsfeldern gliedern. Problem wird wie immer nur sein, den genauen Wert festzulegen, wobei man sich da an dem durchschnittlichen Einkommen in den jeweiligen Bereichen orientieren und eventuelle Zusatzbedingungen einbauen könnte.
So wie durchschnittliches Einkommen in der Branche - 25% Abschlag, aber die Person muss dennnoch mehr als doppelte vom Hartz IV-Satz (das was man nachher in der Tasche hat) netto erhalten. Zusätzlich wird jedes Jahr eine Erhöhung durchgeführt, um die Inflationsrate zu bereinigen.

Das ist klar, dass die Zusteller in Zukunft arbeitslos sein werden genauso wie keine Kassierer im Supermarkt mehr benötigt werden. Momentan kann man aber nicht auf die Leute verzichten sonst würde man es nämlich tun.

Es ist auch klar, dass 8,50€ im Osten mehr Wert sind als im Süden. Nach oben können die Löhne ja auch gerne differieren aber hier geht es um die Mindestbezahlung und wir reden hier von 8,50€/Std. und das ist ein Witz weil

Mit ca. 10€/Std. erwirbt man gerademal einen Rentenanspruch in Höhe der Grundsicherung. Also wie jemand der nie in seinem Leben gearbeitet hat!

Ursula von der Leyen hat es letztes Jahr ausgesprochen, zur Verärgerung ihrer Parteikollegen. Ein Arbeitnehmer muss 30 Jahre lang im Schnitt min. 2500€ Brutto oder 40 Jahre lang min. 2200€ Brutto verdienen um einen Rentenanspruch über der Grundsicherung zu erwerben. 8,50/std. bei 40std. Woche sind stand heute = 1360€ Brutto.

Das Lohnniveau in Deutschland ist die letzten 10 Jahre gesunken weil der Staat durch die Hartz IV Gesetze Lohndumping befeuert. Hartz IV gehört zwar nicht abgeschaft aber endlich reformiert. Durch Hartz IV werden die Leute doch gezwungen zu niedrig bezahlte Arbeit anzunehmen und das betrifft nicht nur ungelernte sondern auch Facharbeiter und Akademiker. Es kann nicht sein, dass man trotz Ausbildung eine Arbeit hat und Aufstocken muss.

Es geht noch nicht mal um Ausbeuterfirmen. Besonders mittelständische Unternehmen im Dienstleistungssektor wären davon betroffen. Ob man die Preise erhöht oder zwei Angestellte entlässt, scheint wohl letzteres für den Arbeitgeber ansprechender. Damit ist zwar der Mindestlohn durchgesetzt, aber zu welchen Konsequenzen.

Ein Beispiel wäre der Tarifkampf der Friseure. Entweder sind die Preise um 300% gestiegen, Arbeitnehmer entlassen oder es wurde massiv an der Qualität gespart um das Unternehmen noch über Wasser zu halten.

Flächendeckender Mindestlohn lehne ich im derzeitig Zustand ab. Lieber einen individuellen Mindestlohn, indem Arbeitnehmer mehr Geld bekommen, ohne Angst den Job verlieren zu müssen. Ich denke die Politik ist aber zu faul für sowas …

Edit: Was Deutschland fehlt sind von Grund auf reformierte Sozialsysteme. Denn so wie ist jetzt ist, sieht man ja immer deutlicher, kann es auf dauer nicht mehr funktionieren.

Nur der erste Mindestlohn wird festgelegt. Danach verhandelt eine Kommission die aus den Tarifpartnern gebildet wird nach britischem Vorbild und das 8,50€ nicht sonderlich hoch ist habe ich ja versucht darzulegen. Man schafft Quasi eine Grundlage auf der die Tarifpartner verhandeln. Das ist nötig weil vor allem in der Dienstleistungsbranche die Arbeitnehmerseite sehr schwach ist.

Also das die Preise um 300% steigen würden halte ich für fragwürdig und das die Leute einfach entlassen werden ebenfalls. Wer macht denn dann die Arbeit? Die Arbeitsverdichtung ist doch heute schon auf so hohem Niveau, dass zusätzlich nichts mehr geht.

Ich verstehe zwar die Vorbehalte gegen den Mindestlohn, doch zumindest das Argument, dass in z.B. Bayern 8,50€ effektiv wohl weniger Kaufkraft besitzen als in Sachsen halte ich für für keines gegen den Mindestlohn. Immerhin gibts leider auch in Bayern Menschen, die für weniger als 8,50€ arbeiten. Für diese wäre es der Mindestlohn anfangs erstmal genauso eine Erleichterung wie für die betroffenen Beschäftigten in Sachsen. Somit ist zumindest mal ein Schritt getan - auch wenn natürlich nicht jedem „gleich gut“ geholfen ist.

Viel eher ist das eigentlich ein Argument dafür, dass 8,50€ als Mindeslohn noch nicht reichen. Doch v.a. mit der Union in der Regierung ist das eh nicht zu machen. Und das obwohl - wie rowdy schon erwähnt hat - 8,50€ nicht mal reichen um im Rentenalter die Grundsicherung zu erhalten. In jedem Bundesland!

Zumindest um eine einigermaßen ordentliche Grundsicherung zu schaffen, sind die flächendeckenden 8,50€ demnach durchaus sinnvoll. Anschließend kann man ja branchenspezifisch immer noch verhandeln - dafür hat man ja auch durchaus starke Gewerkschaften in Deutschland (wenn auch nicht in allen Bereichen, hier muss dann eben wieder die Regierung ein wenig unter die Arme greifen).

Weiters halte ich es auch für wichtig, dass der Mindestlohn wirklich für alle gilt. Natürlich kann man nun argumentieren, dass so eine Aushilfskraft in manchen Fällen genauso viel verdienen würde, wie eine Fachkraft. Andererseits besteht die Gefahr, dass - falls man hier eine Ausnahmeregelung schafft - manche Arbeitgeber lieber zwei Aushilfskräfte anstellt als eine Fachkraft und so eventuell auch noch Geld spart. So würde diese Reform wieder Lohndumping fördern - wie es schon bei Hartz IV und einigen anderen Maßnahmen schon der Fall war.

Wir rowdy glaube ich übrigens auch nicht pauschal an eine große Entlassungswelle. Hat er ja z.B. auch schon im Beitrag direkt über mir begründet, weshalb ich das jetzt mal nicht wiederhole.

"Mit 8,50 € kommt man hier nicht weit, im Dritte-Welt-Deutschland (aka Osten) lebt man bestimmt wie ein Kaiser. "

Wow, wir haben das Jahr 2014 und immer noch solche Aussagen. O.o

Btt:
Mindestlohn hat schon seine Berechtigung. Ich mein, manchmal ist es schon traurig, wenn Leute den ganzen Tag schwer schufften, aber davon so gut wie nicht leben können.

Er mag in seiner Aussage zwar Recht haben, aber die Polemik kannste einfach überlesen.

Irgendwie bezweifle ich ja, dass das Projekt „Mindestlohn“ flächendeckend zum Einsatz kommt. Wahrscheinlich probiert man es regional, hier und da mal aus und merkt, dass es nicht klappt (Gründe kann man sich ja wunderbar aus den Fingern saugen), und am Ende bleibt alles beim Alten.

Ähnlich wie beim Thema PKW-Maut.

Warum sollte es nicht funktionieren. Wir sind eines der letzten Länder die kein Schutz gegen Lohndumping hat in Europa und wenn man sich die Europakarte mal so anschaut liegen wir mit 8,50€ immernoch unter dem Mindestlohn vergleichbarer Länder.