Habe mir den Film am Samstag angesehen. Zur Story sage ich eigentlich nicht mehr viel, ausser das der Artikel, den ich eine Antwort weiter oben angehängt habe, am meisten von der Geschichte erzählt, aber schon am Anfang beim fettgedruckten Text einen riesigen Spoiler verrät. Bei dem Artikel, denn ihr nun im Anhang finden werdet, ist das anders. Dort wurde der Film im Gegensatz zum oberen Artikel etwas weniger gut bewertet, aber wenn ich mir die Fehler im Bericht ansehe, dann wundert mich das nicht (unter dem Bild steht, dass dies Akira ist, aber es handelt sich dabei um den jüngeren Shigeru.
Story (ohne Spoiler):
Es beginnt mit einer Szene in einer Bahn. Der Junge Akira und ein sichtlich älteres Mädchen hocken dort, dreckig, still. Sie haben einen roten Koffer bei sich, sagen nichts. Das ist der Anfang, und eigentlich auch eine der letzten Szenen des Filmes. Doch bevor man überhaupt weiss, um was es bei dieser Bahn-Szene geht, beginnt der Film.
Man sieht eine verdammt junge Mutter mit ihrem Sohn Akira. Die Mutter stellt sich bei den Vermietern als Keiko vor. Keiko (You) und ihr einziger Sohn Akira (Yuya Yagira) ziehen in die neue Wohnung. Kleine Kinder würden nur Ärger machen, hört man den Vermieter sagen, und dann wird dem Zuschauer gezeigt, wie die Wohnung eingeräumt wird. Akira und Keiko tragen dann auch ganz vorsichtig zwei grosse Koffer in die Wohnung, und wie vermutet, befinden sich darin die vier-jährige Yuki (Momoko Shimizu) und der etwas älter aber immer noch verspielte Junge Shigeru (Hiei Kimura). Nach dem ersten Einrichten verlässt am Abend Akira die Wohnung, um die etwa gleich alte Kyoko (Ayu Kitura) am Bahnhof abzuholen.
Am Abendtisch erklärt die Mutter nochmals die Regeln: raus darf nur Akira. Auf den Balkon dürfen die Kinder nicht, da die Gefahr zu gross ist, dass sie gesehen werden, und man habe die Wohnung nur bekommen, weil der Vermieter denkt, dass sie nur einen Sohn habe. Die Kinder dürfen nicht in die Schule, nicht laut sein, und müssen drinnen bleiben.
Einen Vater haben die Kinder nicht. Jedes der vier Kinder hat einen eigenen Vater, denn die Mutter, selber noch fast ein Kind, ist eine Prostituierte, kommt oft nur sehr spät abends nach Hause, stinkt ab und zu auch nach Alkohol. Sie schlägt die Kinder aber nie, und sie behandelt die Kinder eigentlich immer recht gut.
Aber eines Tages ist sie verschwunden, einfach weg. Anfangs schickt sie den Kindern ab und zu noch Geld, doch mehr und mehr beginnt Akira zu begreifen, dass sie nicht mehr zurück kommen wird, und dass sie selber schauen müssen, wie sie überleben. Am Anfang geht dies noch gut, aber irgendwann haben die Kinder kein Geld mehr.
Das Wasser wird abgestellt, der Strom wird deaktiviert, weil Rechnungen nicht bezahlt werden. Wasser zum Trinken oder um sich Frisch zu machen holen die Kinder vom Park, sie versuchen so gut es geht, sich selber zu helfen. Zur Polizei oder zum Sozialamt wollen sie nicht, da sie sonst getrennt würden. Nahrungsmittel erbettelt sich Akira in einem kleinen Laden, aber er und die andren, die dann beginnen, die Wohnung zu verlassen und die Welt draussen zu erkunden, treffen dann auf die ältere Schülerin Saki (Hanae Kan), die nicht zur Schule geht, und eine Aussenseiteren zu sein scheint.
Kommentar (mit Spoiler):
Finde den Film wirklich gut. Ich habe dieses Jahr schon so einige Filme im Kino gesehen, und ich kann diesen zu den Filmen zählen, die ich wirklich gut gefunden habe (zusammen mit The House of Flying Daggers und Hotel Rwanda). Werde ihn mir sicherlich auf DVD kaufen. Der Film ist sehr lange, und entgegen der Zeitungsberichte fand ich ihn an keiner Stelle zu lange, denn die Grenzen zwischen den Jahreszeiten (das Überleben der Kinder wird einem in einer Zeitspanne von fast einem Jahr gezeigt) habe ich gar nicht so stark bemerkt, wann denn nun der Frühling fertig ist, und der Sommer anfängt. Die Darsteller sind alle sehr gut, vor allem wenn man bedenkt, wie jung sie alle noch sind.
Oft wurde erwähnt, dass es sich hierbei um eine wahre Geschichte handelt. Der Filmmacher erwähnt dies am Anfang des Filmes, gibt aber auch an, dass die Figuren und die Details des Filmes fiktiv sind. Es ist schon erstaunlich anzusehen, wie die zwei kleinen am Anfang sehr schönes Leben führen, und nur Akira und Kyoko wissen, was der Job ihrer Mutter bedeutet. Vor allem Kyoko möchte in die Schule gehen, und ausserdem spart sie Geld für ein Klavier. Auch Akira, der sich um seine Geschwister kümmert, möchte einfach mal nur Spass haben, und kommt in der Mitte des Filmes auch in Kontakt von einigen dummen Jungen, die nur zu ihm gehen, um Videospiele zu zocken, doch auch damit ist es bald vorbei, wird doch der Strom abgestellt.
Nach dem die Verwilderung der Kinder begonnen hat, beschliessen sie eines Tages, die Regeln zu vergessen. Als die Vermieterin in einer Szene die verwüstete Wohnung und die vier Kinder sieht, sagen diese einfach, sie seien Cousinen von Akira. Komisch, dass die Vermieterin nichts dagegen unternimmt (schliesslich wurde bereits der Strom und das Wasser abgestellt). Es gibt auch einige lustige Szenen, aber sie halten sich im Hintergrund.
Sehr gut finde ich, dass man, vor allem wenn sich Akira aus der Wohnung begibt um zu einkaufen, viel von Japan sieht. Japanische Produkte, Magazine, Werbetafeln, Stassen und all das. Die Mentos (The Freshmaker) z. B. heissen in Japan auch Mentos, sie sind nicht in japanischen Buchstaben angeschrieben. Und die japanische Sprache der Darsteller tut sein übriges zur tollten Atmosphäre. Rechnungen, Briefe oder Schulbücher, man kann im Film so einiges erblicken. Man kann also ein realeres Bild von Japan gewinnen, also nicht so wie in irgendwelchen andren Horror-, Splatter- oder Yakuzza-Filmen, die immer ein total verrücktes oder übertriebens Bild des Landes wiedergeben.
Hier nun ein Spoiler: Natürlich hat es auch einige emotionale Szenen. In einer Szene sieht man die kleine Yuki auf dem Stuhl, um einen besseren Blick vom Balkon zu haben. Sie möchte schauen, so weit es geht, und hebt auch noch die Fersen. Mehr sieht man nicht. Aber im Kino haben einige Leute bereits darauf reagiert, bzw. es ist wohl klar, dass die kleine aufpassen müsse, sonst fällt sie vom Stuhl. Als Akira einige Szenen später nach Hause kommt, sitzen seine Schwester und sein jüngerer Bruder am Boden, ganz still. Niemand ist hysterisch, niemand weint oder so was. Das kleine Mädchen liegt auf dem Boden, und obwohl niemand ausspricht, dass sie tot ist, ist klar, dass sie nicht mehr lebt. Einerseits wegen der angedeuteten Szene vorher, andererseits, weil erwähnt wird, dass sie vom Stuhl fiel, und sich nicht mehr bewegt. Und der dritte Punkt ist: man sieht ihr Gesicht bis am Ende des Filmes nicht mehr. Nicht mal mehr ihr Körper. Man sieht nur den Arm im Fokus der Kamera, oder wie Akira dem Mädchen über den Kopf streichelt (man sieht den Haaransatz, aber das Gesicht nicht). Später sagt er dann, wie schrecklich es war, weil ihr Körper ganz kalt gewesen sei. Akira macht sich auf die Suche nach der älteren Schülerin, die ihm einmal geholfen hatte. Da Akira seiner kleinen Schwester versprochen hatte, sie mal mit der Bahn bis zum Flughafen zu begleiten, um Flugzeuge sehen zu können, packt er und die anderen den leblosen Körper in den einen Koffer, ziehen ihr ihren Rucksack an, und auch ihre Schuhe. Danach verschliessen sie den Koffer, und Akira und die Schülerin begeben sich zur Bahn, im Koffer eingequetscht die tote Schwester. Der jüngere Bruder und das ältere Mädchen bleiben zu Hause. Und nun sehen wir wieder die Szene vom Anfang. Es wird kein Wort gesprochen. Am Flughafen sieht man etwas abseits der Piste, wie die beiden ein Loch graben und den Koffer mit der Toten reinlegen und danach wieder die Erde rüberschütten. Sie warten bis es Tag wird, und jetzt erst erzählt der Junge, wie schrecklich kalt sich der Körper des Mädchens angefühlt habe, als er den Arm berührt hatte.
Saki tröstet ihn und geht zusammen mit ihm wieder zu Hause. Danach sehen wir sie wieder, wie Akira, Saki, Shigeru und Kyoko durch die Stassen ziehen, um Essen und Wasser zu finden. Zwar haben sie die jüngste verloren, doch mit Saki eine gute Unterstützung gewonnen.
Und nun zum meiner Meinung nach einzigen negativen Punkt: danach endet der Film, aber ich hätte gerne gewusst, wie und vor allem wann die Geschichte an die Öffentlichkeit gelangt ist. Irgendwie muss das doch mal einem aufgefallen sein. Aber wann und wie? Und konnten die Kinder zusammen bleiben? Wurde ihre Mutter von einem Freier getötet, oder ging sie einfach mit einem mit, und lies die Kinder im Stich?
Bilder:
Von links nach rechts: Yuki, Kyoko, Akira und Shigeru.

Dies kam so im Film nicht vor, wenn ich mich recht erinnere. Ist wohl ein Promotionsbild oder vom Set. Zu sehen ist Yuki und links irgendwer.

Dies ist eindeutig ein Promotionsbild. Von links nach rechts: Shigeru, Akira, Kyoko, Yuki und rechts die Mutter Keiko.

Akira. Hat meiner Meinung nach zurecht den Preis als bester männlicher Darsteller erhalten. Wird oft gezeigt, spielt glaubwürdig und man kann miterleben, wie es ihm und den anderen immer schlechter geht (auch vom Aussehen, Frisur und Kleidung her).
