Ohne Geld kein Glaube?

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat entschieden: wer keine Kirchensteuer zahlt, ist kein Kirchenmitglied mehr. Auch die Bischofskonferenz hat dies letzte Woche klar gemacht.

Dem zuvor ging der „Austritt aus der Kirchensteuer“ von Hartmut Zapp. Dieser wollte die Steuern nicht mehr zahlen, aber dennoch ein Mitglied der Kirchengemeinde sein.

Quelle: westfaelische-nachrichten.de

Sollte der Glaube wirklich an eine Steuer geknüpft sein? Was meint ihr?

Meine Meinung:

Auch wenn ich sonst nicht gläubig bin, bin ich hier ganz eindeutig auf der Seite der Gläubigen. Man möge mir die Stelle in der Bibel zeigen, wo die Mitgliedschaft in der Gemeinde an eine Steuer geknüpft ist.

Wenn also also das die Meinung der Bischöfe ist, so sehe ich nur eins: eine Sünde, womit sie alle in der Hölle landen werden.

EINE BITTE: Es geht hier nicht um „Ich glaube“ oder „Ich glaube nicht“. Einzig der Zusammenhang Steuer - Gemeinde ist hier Thema, und da darf man sich auch als Ungläubiger mit auseinandersetzen! Wer dies in eine Religionsdiskussion ausarten lässt, der bekommt es mit dem hier zu tun: }:

Um mal kurz ein paar Hintergründe zu nennen.

In vielen anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich gibt es keine Kirchensteuer.
Als Anfang des 19. Jahrhunderts die Kirche vom Staat enteignet wurde, bekam die Kirche einen gewissen Ausgleich. Unter anderem die Erhebung der Kirchensteuer durch den Staat. Die Gehälter der Bischhöfe wird beispielsweise auch vom Staat bezahlt. 8000-12.000€ pro Monat.

Die Kirche bekommt viele Millarden vom Staat und das finde ich nicht in Ordnung!

Artikel: Steuergeld für Volkskirchen: Gottes Milliarden vom Staat | taz.de

Obendrauf kommt dann noch die Kirchensteuer, gegen die ich auch bin. Pay & Pray ist nicht gut. Die Kirche in Deutschland ist ein Abzockerverein. Da ich mich nicht mit ihr identifizieren kann bin ich 2008 ausgetreten.

Als nach der Revolution von 1918/19 das Bündnis zwischen Krone und Altar zerbrach und die Kirchen nun selbst für ihr Aufkommen sorgen sollten, erhielten sie zum Ausgleich die Staatsleistungen - allerdings mit der Vorgabe, dass dies nur vorübergehend und diese Regelung bald zu beenden sei. An eine Neuregelung machte sich aber weder die Politik der Weimarer Republik noch der Führer in der NS-Zeit noch die Bundesrepublik oder die DDR. Vielmehr wurde ins Grundgesetz bloß der entsprechende Passus der Weimarer Verfassung übernommen.

Die Parteien haben wohl leider angst Wähler zu verprellen…

Pay and Pray wäre sogar das richtige, allerdings zahlt man aktuell, auch wenn man nicht betet. Ich hab nix dagegen, wenn die Kirche Geld will, immerhin kosten die Gebäude und die Priester was, allerdings sollte das Ganze endlich mal wirtschaftlich aufgezogen werden, aslo auf Selbsterhalter (und Steuern abschaffen). Es gibt genug schöne Kirchen die man touristisch vermarkten kann, mit diesen Einnahmen finanzieren sie die Gebäude, und wer einer Messe beiwohnen will, soll Eintritt zahlen, muß ich ja im Theater oder im Kino auch, und mit diesen Einnahmen finanziert man das Personal.

Was mich nur so tierisch ankotzt, man zahlt Kirchensteuer, aber Hochzeit, Taufe, Beerdigung etc muß man trotzdem bezahlen, mich würds auch hier dann doch weniger stören, wenn das alles quasi all inklusive wäre, aber so wie der Forenpapst schrieb, es ist absolute Abzocke, denn da wird tatsächlich 2 und 3mal kassiert

Ah, gutes und aktuelles Thema!

Ein Glaube sollte nicht an Steuern gebunden sein. Ich kann zwar verstehen, dass die Kirche - so wie sie heute existiert - allein durch Spenden nicht „überleben“ würde, aber Steuern sind eine Frechheit. Ich zahle selbst auch (noch) Kirchensteuer, obwohl mich nie irgendjemand gefragt hat, ob ich das überhaupt will. Generell wurde ich, wie die Meisten wohl, nie gefragt, welchem Glauben ich angehören will.

Die Kirchensteuer ist mitunter ein Grund dafür, dass ich dieses Jahr noch aus der Kirche austreten werde. Und wenn jetzt das Argument aufkommt, dass man so auch viele karitative Einrichtungen nicht mehr finanziell unterstützt: Ich spende dann lieber irgendeinem anderen Hilfsverein - wo ich auch weiß, dass sich der Priester davon nicht neue Kleider kauft.

Die Caritas wird sowieso zum überwiegenden Teil aus staatlichen Mitteln finanziert und nur zu einem geringen Teil aus kirchlichen Mitteln! Die Kirche benuzt es halt als Aushängeschild und Argument.

Fast 500 Jahre sind seit der Reformation, dem Augsburger Religionsfrieden und der Anerkennung der evagelischen Kirche vergangen, aber in von einem derartigen Standpunkt sind wir immernoch nicht weggekommen :shit:
Hier mal ein knapper historischer Kontext aus dem Geschichts-LK:
Martin Luther und andere Reformatoren haben sich im frühen 16. Jahrhundert auf die Grundsätze „Sola Fides, Sola Gratia, Sola Scriptura“ (Allein der Glaube, allein die Gnade, allein die Schrift) festgelegt, um einen Gegensatz zur katholischen Kirche zu bilden. Nach ihrer Ansicht beruhte „Kirche“ also nur auf dem Glauben der Menschen, der Gnade Gottes und der Lehre, die sich aus der Bibel ableiten lässt.
Auf dem Konzil von Trient (ab 1545) hat die katholische Kirche als Gegenargument festgelegt, dass wahrer Glaube nur aus einer Verbindung von Schrift und Tradition zu erreichen ist. Also beruhte diese Ansicht von Kirche auf der Weitergabe der Lehre. Kurz gesagt: Gemeinschaft.

Und um ein Teil dieser katholischen Gemeinschaft zu sein, muss man heute Geld bezahlen…

Wie ging das noch? „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, alsdass ein Reicher das Himmelreich erlangt“. So in der Art zumindest.
Vielleicht sollte der ein oder andere Bischhof mal wieder die Bibel lesen.

Natürlich muss sich die Kirche auch finanzieren, aber gläubigen Menschen die Sakramente zu verwehren ist doch ein UNDING. Stellt euch vor, dass sich ein Mann auf seinem Sterbebett wieder zum Glauben bekennt und eine Salbung wünscht - und diese ihm verwehrt wird, da er keine Steuern zahlt! Und das halten unsere Bischhöfe für richtig? Traurig ist das, sonst nichts.

Ich seh schon die Wiedereinführung der Ablassbriefe nahen… :ironie: