Ich habe mir heute mit etwas Verspätung Persepolis angeschaut und bin froh, doch noch ins Kino gegangen zu sein, statt es ev. sein zu lassen.
Zur Geschichte sage ich nicht mehr viel (siehe Artikel und Link im Eröffnungsbeitrag).
Der Film ist Aufklärung im besten Sinne, irgendwie auch traurig, “herzig“ und zeugt anhand persönlicher, alltäglicher und simpler Beispiele die Wirren, die das iranische Volk seit Jahrzehnten durchstehen musste. Aber der Film hat auch zahlreiche lustige Momente zu bieten.
Man erfährt nicht nur sehr viel über die Geschichte des Landes, so wie z. B. der erste Scheich von den Briten unterstützt wurde, sein Sohn danach brutal regierte. Dann kam der sinnlose Krieg der Millionen von Toten zur Folge haben sollte, gesponsert von über 50 Nationen (zahlreiche europäische Länder darunter), die nicht nur den Irak mit Waffen belieferten, sondern auch den Iran was im Film ebenfalls erzählt wird.
Das kleine Mädchen, das frei aufwächst (Bruce Lee-Fan) und dann den Verfall des Landes miterlebt, bekommt solche historischen Aspekte immer wieder von Verwandten erzählt und mit ihr lernt auch der Zuschauer eine ganz andere Seite Irans kennen, als man heutzutage im Fernsehen und in den Medien immer hört.
Marjane geht einige Jahre nach Österreich zu einer Verwandten, landet dann aber bei Nonnen und lernt ein ganz anderes Leben kennen. In der Schule steht sie bei den Aussenseitern im Mittelpunkt und muss sich in der neuen Welt zuerst mal zu Recht finden (Underground-Rock-Konzerte usw.). Von den Nonnen verstossen zieht sie von Wohnung zu Wohnung bis sie bei einer pensionierten leicht verrückten alten Frau lebt, die ihre Hunde über alles liebt und hätschelt (die erste Szene dort, genial!!).
Als sie dann scheinbar ihre erste grosse Liebe findet und von ihm danach betrogen wird, geschieht eine tiefe Krise (wie sie dann ihre Zeit mit ihm zusammen noch mal passieren lässt – nur dieses mal wahrheitsgetreu und nicht mehr von der Liebe geblendet – ist auch einer dieser Momente, der bleibt). Sie wird rausgeworfen bzw. geht und lebt dann auf der Strasse bis sie krank wird und in ein Krankenhaus gebracht wird.
Dann steht im besten Teenanger-Alter die Rückkehr in den Iran an, zu Vater, Mutter und ihrer lieben Oma. Dort muss sie sich mit den zwar schon immer vorhandenen aber nun strenger durchgeführten Kontrollen wie Kopftuch tragen, kein Alkohol trinken usw. gewöhnen.
Die Szenen beim Psychiater, Bestechungsszenen oder aufkommende Moral-Polizisten und viele weitere Szenen (Terminator im TV, Godzilla im Kino!!) lassen wieder Freude aufkommen. Dann folgt Hochzeit, Scheidung, mutige Fragen an der Uni und am Ende der Weg in die Freiheit (Frankreich).
Der Film ist super. Im Original auf Französisch. Die Szenen in Wien sind von daher interessanter im Original (weil dort ab und zu eben deutsch gesprochen wird). Er ist traurig, auch die Kriegsszenen, Märtyrer, gewaltsame Niederschlagungen von Demos, Verfolgung von Sittenpolizisten, Gefängnisszenen, Exekutionen usw. zeigen dem Zuschauer, wie viel dieses Mädchen in ihrem Leben erlebt hat und welch mutiger Schritt die Zeichnung dieser Comics war, die jetzt in diesem Film zum Leben erwachen. Aber auch ganz normale Szenen in der Kindheit des Mädchens oder andere wichtige Momente (Pubertät: die „ich werde zur Frau“-Szene ist zum Totlachen) machen den Film so unglaublich lieb und toll.
Unbedingt anschauen! Wenn ich ein Lehrer wäre, würde ich mit der Klasse diesen Film anschauen gehen, wenn ein Kinobesuch irgendwie bevorstünde!
Ein kleines Meisterwerk (die Zeichnungsart ist zwar Meilen von Animes usw. entfernt, aber all die fast schwarzweiss gehaltenen Szenen sowie der Sound schaffen eine Atmosphäre, die nicht oft im Kino erreicht wird).
Edit:
Fast gestorben vor Lachen bin ich auch bei der Eye of the Tiger-Szene (Nachahmung von Rocky 3).