Schule macht Spaß

Da gebe ich Tiago auch recht. Auf der einen Seite ist Latein eine elende Quälerei (die ganzen Zeitformen, Deklination, Konjugation…), aber auf der anderen Seite lernt man auch, wie man sein Deutsch verbessern kann. Und die Geschichten sind teilweise echt interessant, aber ich würde es trotzdem gerne abwählen.

Oh ja. Latein ist wirklich gut um Deutsche Grammatik zu lernen.
… ganz zu schweigen von Griechisch. Griechisch ist einfach, wenn man Latein vorher hatte.

Bin ich hier der einzige der statt Latein lieber Französisch gewählt hat? Dennoch bin ich froh wenn ich Französisch endlich abwählen kann. (Aktuell Klasse 8 dauert also noch :D)

Es wurde ja schon oft genug gesagt, dass man oft gar nicht weiß, was man nun irgendwann mal braucht oder nicht - und trotzdem möchte ich das nochmal wiederholen. Es ist sogar viel wahrscheinlicher, dass sich irgendwann doch einmal ein eigentlich sicher geglaubter Plan ändert, als dass man genau das macht, was man sich als 15-jähriger Schüler vorgenommen hat. Und ja, da kann ich sogar mit meinen (noch relativ jungen) 20 Jahren aus eigener Erfahrung sprechen.

Zudem finde ich den Ruf nach „ich will nur lernen, was ich irgendwann mal brauchen kann“ ein wenig fragwürdig. Die Schule hat den Auftrag uns Allgemeinbildung zu vermitteln und uns zu selbstständig denkenden Menschen zu formen. So können beispielsweise geschichtliche Hintergründe für die Beurteilung aktueller Politik durchaus wichtig sein. Genauso ist Mathematik nicht nur einfaches rechnen, sondern schult u.a. durchaus auch logisches Denken. Naturwissenschaften ist gut, damit man allgemein ein wenig was von seiner Umwelt versteht usw. usw.

Schule soll dagegen nicht den Auftrag übernehmen uns schon in eine gewisse Schiene zu lenken und uns - ganz salopp zu Fachidioten zu machen. Für die Wirtschaft wäre das natürlich toll, da man auf diese Art und Weise noch schneller an Fachkräfte kommt. Doch einen Menschen macht eben nicht nur das aus, was er an explizitem Fachwissen besitzt, sondern die Breite seines Wissens und auch seiner Erfahrungen. Und eigentlich sind 12 Jahre Schule fast zu wenig um das alles ordentlich zu erfüllen.

Trotzdem muss ich natürlich zugeben, dass ich während meiner „ersten“ Schulzeit, die ich auf Grund- und Hauptschule verbracht habe, auch nicht gerade die beste Einstellung zu vielen angeblich „unnötigen“ Fächern gehabt habe. Auch der richtige Spaß am Lernen ist erst während der Ausbildung gekommen - und deshalb bin ich anschließend auch wieder zurück zur Schule. Während dieser Zeit hatte ich auch Fächer, die ich nicht mochte (Chemie ist z.B. gar nicht meins), aber geschadet hat mir das sicher nicht. Zudem hat sich u.a. ein großes Interesse an Geschichte und Politik herauskristallisiert, was ich eigentlich nie vermutet hätte. Wirklich „brauchen“ werd ich das als Elektrotechnik-Student jetzt auch nicht, aber über den Tellerrand zu blicken macht durchaus Spaß. Und man weiß ja nie was noch so kommt…

Demnach: Schule macht (meistens) wirklich Spaß. Auch wenn das vielleicht nicht immer gleich ersichtlich ist.

Weil du später noch erwähnst, dass du dich aufs Studium freust: Auch dort wirst du gerade am Anfang wahrscheinlich nicht immer wissen, warum du diesen und jenen Kurs belegen musst. Genauso ist auch ein praktischer Bezug in grundlegenden Vorlesungen nicht immer gegeben (als Informatiker wird dir das wahrscheinlich in Mathe blühen). Vom Lernaufwand, der sicher auch nicht gerade niedrig sein wird, mal ganz abgesehen. Ob das dann wirklich immer „besser“ als Schule ist, sei mal dahingestellt - vor allem auch im Hinblick auf die verfügbare Zeit.