Gestern Abend habe ich Order of Ecclesia und damit auch die Dominus Collection durchgespielt. Auch in Ecclesia habe ich alle Maps auf 100% gebracht und alle Sidequests der Dorfbewohner erledigt.
… womit wir nun zu meiner abschließenden Bewertung aller „Metroidvania-Castlevanias“ wären. Ganz ehrlich: Ich tue mich unfassbar schwer damit. Viele Spiele haben ihre Stärken und Schwächen und irgendwie kann man diese dann auch schwer gegeneinander aufwiegen. Ich denke bei mir pendelt es sich derzeit irgendwie so ein:
- Aria of Sorrow
- Symphony of the Night
- Circle of the Moon
- Portrait of Ruin
- Dawn of Sorrow
- Order of Ecclesia
- Harmony of Dissonance
Egal, was ich mache, die Liste fühlt sich immer falsch an - und sie hat sich über die Jahre auch deutlich verändert. Beispielsweise fand Symphony of the Night vor ein paar Jahren, als ich das zum ersten Mal (und nach allen anderen) nachgeholt hatte, etwas hölzern und vergleichsweise schlecht gealtert. Diese Meinung hat sich aber komplett geändert, je mehr ich mich damit befasst habe. Das Spiel hat völlig zu Recht seinen Platz als eines der besten Spiele aller Zeiten zementiert. Was da alles an Geheimnissen und Ideen drinsteckt, sucht einfach seinesgleichen.
Demnach hätte an einem anderen Tag auch Symphony an erster Stelle stehen können. Ich fühle mich ein bisschen an Zelda Ocarina of Time und Wind Waker erinnert. Letzteres habe ich einfach ins Herz geschlossen - und ist wahrscheinlich mein liebstes Zelda-Spiel. Dennoch ist die historische Bedeutung und Strahlkraft von Ocarina of Time so überragend… dass nur wenige Spieler heutzutage noch nachvollziehen können, was für ein Gamechanger (Pun intended) Ocarina of Time damals war. Weil Aria of Sorrow sich aber insgesamt einen Hauch moderner anfühlt und mit den Seelen eine super coole Mechanik eingeführt hat, gebe ich dem einen Vorzug. (Vampir-)Zähneknirschend. Übrigens: Ich finds cool, dass Aria of Sorrow auch storytechnisch einen netten Plottwist mitgebracht hat!
Danach kommt mit Circle of the Moon eine rundum solide Bank. Ich weiß, dass der Titel in anderen Rankings nicht so gut abschneidet, aber ich kann dem Spiel einfach sehr wenig vorwerfen. Es spielt sich super, sieht super aus und hat einfach irgendwie keine Macken. Es ist vielleicht ein bisschen zurückhaltend mit herausragenden Merkmalen, aber es fällt mir schwer, es dafür abzustrafen, wenn alles andere doch voll zu überzeugen weiß. Außerdem ist es das einzige Castlevania aus der Liste, dass tatsächlich noch primär mit der Peitsche gespielt wird!
Jetzt wird es richtig witzig: Von der DS-Trilogie her hat mir Portrait of Ruin damals am wenigsten gut gefallen. Und zwar so sehr, dass ich fast keine Lust hatte, dort noch einmal reinzuschauen. Dieses Bild (again, pun intended) hat sich komplett gewandelt. Ich mochte die Abwechslung, welche die einzelnen Gemälde mit sich brachten diesmal ganz gerne und sie waren teils verschachtelt genug, um mich bei Laune zu halten. Leider empfinde ich den Artstyle der Charaktere als der am wenigsten gelungene, die Story ist leider auch nicht das Gelbe vom Ei und, ebenfalls leider, wird am Ende VIEL ZU VIEL recycelt. Warum ist es nun also besser, als die anderen Teile?
Das hat für mich tatsächlich weniger was mit den Vorzügen von Portrait of Ruin zu tun und mehr was mit den Aspekten, die mir an den anderen beiden Spielen nicht gefallen haben. Bzgl. Dawn of Sorrow habe ich ja oben schon was gesagt: Touchscreen und Schieberätsel sind mir ein Graus. Während das auf dem DS noch einigermaßen okay war, ist dies auf modernen Plattformen leider etwas nervig. Und das ist wirklich schade, denn auch Dawn of Sorrow ist ein ganz fantastisches Spiel, das mit etwas mehr Liebe (aka ein Entfernen der Touchscreen-Elemente und des Schieberätsels) sich (durchaus locker) auf das Treppchen hätte katapultieren können. Vielleicht sogar ganz an die Spitze - was für mich auch wieder zeigt, wie nah die Spiele letztendlich doch beieinander liegen. Oftmals entscheidet nur eine Kleinigkeit über die Platzierungen.
Kommen wir zu Order of Ecclesia: Auch hier tut es mir irgendwie weh, das Spiel so weit unten zu platzieren. Ich mag Shanoa als Charakter super gerne und, so komisch das auch klingt, ich mag auch irgendwie ihre Animationen. Nach Alucard, der mit seinen Bewegungen ja mittlerweile super ikonisch geworden ist, gefällt mir das Movement, bzw. die Bewegungen von Shanoa mit am besten. Vor allem der Doublejump. Aber ich schweife in nebensächlichen Details ab.
Die Glyphenmechanik ist interessant, weil sie ein bisschen die Karten aus Circle of the Moon mit den Seelen aus Aria und Dawn verknüpft. Leider hat mich das System aber insgesamt nicht so sehr zum Experimentieren eingeladen und spielerisch blieb es über lange Strecken relativ gleichbleibend, weil ich mich häufig an bestimmten Glyphen festgebissen habe. Auch greift das Spiel ein bisschen die Gemälde aus Portrait auf und interpretiert sie als Regionen, die man auf einer Karte auswählt. An und für sich ist das völlig in Ordnung, jedoch sind viele dieser Gebiete ziemlich gerade Strecken, die kaum zu Erkunden einladen, da sie wenig Verzweigungen anbieten. Dass dann am Ende, mit Draculas Schloss, nochmal ein richtig großes, fast klassisches Metroidvania-Gebiet dazukommt, ist zwar eine super Sache (und eine tolle Überraschung), jedoch lernt man dort kaum noch etwas Neues, sodass das Schloss letztendlich doch hinter den anderen Spielen zurückbleibt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass es noch einmal richtig auffährt. Frei nach dem Motto: „Du dachtest das Spiel wäre vorbei? Du hast gerade mal das Tutorial gespielt!“.
Übrigens, Fun-Fact: Ich habe die Spiele tatsächlich als immer schwerer werdend wahrgenommen. Gerade bei Order of Ecclesia gab es ein paar Bosse, die mich fast wahnsinnig gemacht haben.
Auf den letzten Platz kommt dann Harmony auf Dissonance - und damit leider auch das einzige Spiel, dass sich spürbar von den anderen absetzt. Ob nun Aria oder Symphony auf Platz 1 ist, ist vielleicht tagesformabhängig und auch bei den DS-Spielen hätte die Reihenfolge komplett anders ausfallen können, aber bei Harmony war für mich der letzte Platz leider unausweichlich. Irgendwie fand ich vieles hier merkwürdig. Der Soundtrack ist irgendwie weird (man hat da wohl mit dem Soundchip viel experimentiert, wenn ich das richtig in Erinnerung habe - oder man hat den Titel Harmony of Dissonance etwas zu wörtlich genommen) und Juste sieht irgendwie mehr wie ein Vampir, als ein Belmont aus. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sein Aussehen noch einmal irgendwie erklärt wird, aber das blieb leider aus. Dazu kommt auch, dass ich viele Gegenden optisch nicht ansprechend, manchmal sogar anstrengend fand und die Farben sind allesamt sehr, sehr grell. Juste zieht sogar eine blau leuchtende Spur hinter sich her.
Alles wahrscheinlich eine Reaktion auf den damals sehr dunklen GBA-Screen und damit eine funktionale Entscheidung, die sich auf modernen Plattformen mittlerweile sehr Fremdkörper-esque anfühlt.
Dennoch: Auch Harmony of Dissonance ist kein schlechtes Spiel und wer die anderen Castlevanias mag, sollte Dissonance ebenfalls gespielt haben, wie ich finde.
Und damit geht mein Castlavania-Marathon, der letztes Jahr doch etwas überraschend mit der Anniversary Collection begann, zu Ende. Ich bin nach wie vor überrascht, dass ich noch einmal SO SEHR in der Reihe versumpft bin, angefangen, mit reichlich Save-Scumming in den Action-Teilen bis hin zum „normalen“ Durchlauf der anderen. (Wenn ich das gerade richtig in Erinnerung habe, habe ich dort gar nicht oder so gut wie gar nicht Gebrauch vom Save-Scummen gemacht.)
Ich hatte erst noch überlegt, direkt Bloodstained noch dranzuhängen - schließlich gehört das für mich irgendwie zu Castlevania dazu - aber da es bei Limited Run derzeit eine Complete Edition zu kaufen gibt…
… und ich mir diese bestellt habe, wird Bloodstained wohl noch bis Ende des Jahres warten müssen.
Bleibt die Frage, wie es jetzt spieletechnisch weitergeht. Ich hatte ja mit Hollow Knight und anschließend Silksong gerechnet, habe aber ein bisschen Sorge, dass ich nach so vielen Metroidvanias daran ermüden könnte, da die Spiele ja deutlich länger ausfallen, als die Castlevanias. Mal schauen.
