Hemd, Krawatte und "Sie" - Respekt dank Oberflächlichkeit?

Heut euch schon mal morgens beim Brötchen holen der Bäcker in Hemd und Krawatte begrüßt? Oder der Metzger? Sicher aber doch der Mitarbeiter eurer Bank - aber der will ja auch euer Geld. Was aber allen gemein ist: sie werden euch siezen (sofern ihr sie nicht besser kennt).

Doch warum kommen die nicht einfach alle gemütlich daher? Duzen euch direkt? Sind wir wirklich so sehr darauf ausgelegt, dem gegenüber durch Oberflächlichkeiten Respekt zu zeigen?

Wie seht ihr das? Ist das alles wirklich nötig, oder sollte sich die Menschheit nicht eher auf ein natürlicheres Auftreten einigen?

Theoretisch bringt bringt doch weder Hemd noch Krawatte etwas, wenn man jemanden mit „SIE ARSCHLOCH!“ anspricht. Da ist ein „Du, ich mag dich“ doch viel netter - ohne Oberflächlichkeiten. Oder?

Ich zitier mal Joschka Fischer „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“
klingt doch respektvoller als „Mit Verlaub, Richi, du bist ein Arschloch“

Hemd und Krawatte halte ich für völlig unnötig. Aber das sich die ganze Welt am duzen ist möchte ich ehrlich gesagt nicht. Das Siezen hält einen gewissen Abstand zu Fremden Personen. Der besonders zur Geltung kommt und für mich wichtig ist, wenn man diese Person auch nicht besonders mag.

Hm interessante Frage eigentlich…

Die Frage ist natürlich: Wie nah möchte ich einem wildfremden Menschen kommen? Streng genommen sind es nur wenige Wörter die sich ändern, aber irgendwie weiß man die Distanz ja auch zu schätzen, oder nicht? Allein sprachlich ergeben sich ja dadurch viel mehr Möglichkeiten das Verhältnis zum Gegenüber darzulegen, indem man siezt. Man kann Respekt zeigen, verdeutlichen, dass an eben nicht sonderlich dicke miteinander ist, oder man kann einfach freundlich sein und jemandem nicht zu nahe treten wollen. All das ist durch siezen möglich. Würde man das abschaffen wäre die Sprache doch sehr begrenzt.

Ein Blick über den Tellerrand: Im Japanischen gibt es nicht nur zwei Höflichkeitsformen (du und sie) sondern gleich vier. Je nach Stand und Verhältnis zum Gegenüber ergeben sich andere Anreden und man wird generell eher mit dem Nachnahmen angesprochen, sofern man nicht gute Kumpels ist. Der Lehrer, der Chef, der ältere/jüngere Kollege, die ältere Schwester, der Kaiser, für alles gäbe es eine andere Anrede und ist somit noch viel extremer als bei uns um Deutschen. Dies mag jedoch sicherlich damit zusammen hängen, dass die Japaner allgemein sehr höflich und zurückhaltend sind.

Aber zurück um Deutschen: Ich glaube dein eigentlich Punkt ist ja ohnehin weniger das Sprachliche, sondern eher, dass man Taten statt Wörter sprechen lassen sollte, oder nicht? Das mag natürlich sein und ist mit Sicherheit auch kein verkehrter Ansatz, jedoch fänd ich das irgendwie… zu umfassend. Dann müsste man ja auch so Geschichten wie Kleiderordnung (stellvertretend für den gesamten äußerlichen Eindruck) umwerfen, da diese letzten Endes auch nur einen oberflächlichen Eindruck hinterlassen. Ob der Bankmitarbeiter nun im Anzug, oder in Jogginghose dort steht ändert zwar nichts an seiner Arbeit, aber doch an dem subjektiven Eindruck, den wir von ihm haben und sowas komplett aus dem Bewusstsein der Menschen zu löschen ist schon heftig^^ Wenn ich in die Bank käme und mich ein Punk par excellence begrüßen würde, wäre ich ja auch erstmal skeptisch… auch wenn ich streng genommen gar keinen Grund außer seinem Aussehen dazu hätte. Das ist halt irgendwie so im Bewusstsein verankert…

Du machst da echt ein verdammt großes Fass auf! :smiley:

Menschen sind nunmal oberflächlich, selbst wenn was Anderes behauptet wird. Es gehört zum Überlebenswillen einerseits sich auf Klischees zu verlassen, in Großstädten würde man kaum vorankommen ohne nach den spezifischen wiedererkennbaren Faktoren einen Menschen beim ersten Anblick zu definieren, es ist während des Arbeitsweges unmöglich in z.B. Hamburg, alle vorbeilaufenden Menschen nach dem Charakter zu beurteilen.
Der Gleiche Mensch auf zwei Tage verteilt und in anderen Klamotten, einmal mit teils zerissener Kleidung und den anderen Tag im schicken Anzug unterwegs, zeigt am besten worauf es im sozialen Leben tatsächlich ankommt. Man kann den Menschen keinen Vorwurf machen, genauso wie Alkohol als Erwachsenengetränk in der Gesellschaft darsteht, während andere Drogen verteufelt werden, so wurden uns andere Dinge in der Erziehung schon eingeprägt, damit durch einen angeblichen Wert die Werbeindustrien weiterhin ihre Taler eintreiben können. Der Mensch hat längst vergessen, dass nur der Glauben an einige Dinge wie Mode diesen Wert bestimmt.

Nun zu mir; ich kombiniere gerne, eher lässig aber auch mal eine Krawatte an. Ich komme gerne einigen Illusionen der Menschen entgegen, weil ich gerne manchmal Kontakte knüpfe.

Banker oder auch Versicherungstypen… Ich glaube bei denen ist das mehr oder weniger „Tradition“ sich so rauszuputzen. Ein Anzug macht eben mehr her und wirkt seriöser als der Hartz 4-Schlabberlook. Insofern kann ich das schon verstehen. In Hotels ist es ja nicht anders, an der Rezeption. Oder unter anderen „hohen Tieren“, wie Politikern oder der Chefetage. Damit hatte ich noch nie ein Problem.

Das „Siezen“ ist da interessanter. Solche Probleme haben Schweden oder Engländer/ Amis schon mal gar nicht. Nur wir Deutschen müssen es natürlich wieder so kompliziert machen :wink: Siezen zeigt einerseits Respekt andererseits aber auch eine gewisse Distanz. Es gibt durchaus Menschen im meinem Leben (Kollegen), die ich gar nicht Duzen will, auch wenn sie es mir anböten. Ich Duze nur Menschen, die mir etwas bedeuten und mir - in welcher Form auch immer - nahestehen.

Aber genau diese Tradition stellt er ja in Frage: Ob Äußerlichkeiten durch das duzen oder durch Kleidung wirklich nötig sind. Streng genommen ist es ja irrelevant wie er/sie rumläuft, solange die Arbeit getan wird, aber ganz so einfach ist es nunmal nicht… Durch Erziehung und besagte „Traditionen“ sind wir geprägt. Die Frage sollte also sein: Muss das so bleiben, oder ist das nicht irgendwie unnütz?

Mich persönlich stört es nicht, insofern kann es IMO auch so bleiben :wink: Mal abgesehen davon, dass sich dahingehend nie etwas ändern wird. Nichts muss so bleiben und vieles, sehr vieles ist unnütz. Aber ich finde es nicht schlimm, dass sich Leute, die etwas verkaufen wollen, rausputzen (müssen). Ich habe lieber einen Affen im Anzug vor mir als einen ungepflegten Typen im Schlabberlook.

verändert hat sich doch schon viel vor allem in Deutschland in den letzten 50 Jahren. In Frankreich ist es beispielsweise so, das nach der Hochzeit die Schwiegereltern noch lange Jahre gesiezt werden! Wir sind in Deutschland schon ziemlich locker in sehr vielen Dingen! Das ist heute so selbstverständlich das man sich daran gewöhnt hat und darüber schmunzelt wie es in anderen Ländern gehandhabt wird.

Also gerade Kindern wird beigebracht, den Mann, der sie anspricht, zu siezen. Und nicht „du Onkel“ zu sagen… Nur so erkennt man, dass es ein Fremder ist und kann rechtzeitig einschreiten.

Da gibt es doch genug andere Wege als das Siezen :wink:

Das sehe ich genau so wie du, finde es aber interessant mal aus der Norm zu denken und was-wäre-wenn-Szenarios aufzubauen^^

Bei uns auf der Arbeit halten viele es so, den anderen beim Vornamen zu nennen und dennoch zu siezen. Das finde ich eine schöne Art der Kommunikation. Persönlich, aber doch distanziert. :slight_smile:

Ich bin da ein Kind meiner Zeit. Die Sachen müssen passen. Der Typ der mein Geld verwaltet, sollte nicht wie anner Standbar sitzen, ich erwarte da einfach etwas … naja was seriöses. Ich will auch keine Frau, deren Rock so kurz ist, dass ich die Schamlippen sehen. Wie genau das sein muss, z.B. Hemd und Krawatte, weiß ich nicht. Ich muss es sehen und kann dann sagen, ja passt, oder ne ist falsch. Aktuell habe ich das gefühl, die Bürotypen tragen zu kleine Sachen. Die Männer bekommen ihre Sackos nur noch max. an einem Knopf zu und bei den Frauen sieht man, selbst durch die Jacke jedes Röllchen. Ich finds unpassend … AUch zuglatte Typen, sind mir suspekt. Wenn ich dat gefühl habe, da wurde jede Locke einzeln gestylt… aber lassen wir das. so wird jeder etwas haben an dem er sich, wenn auch nur kurz und oberflächen an etwas stören, oder erfreuen.

Ich finde es beim Bäcker auch urig, wenn die Verkäufer so Schürtzen mit Rüschen in dunklen Farben haben. Da würde mir nen gelackter Verkäufer auch irgendwie nicht zusagen. Ich mein, nicht nur der Mensch muss passend ausehen, auch der Laden muss was her machen. Inna Bank solltes es keine Bunten anstiche und bunt zusammengefürweltes Inventar geben, in sonem Cafe gehörts zum Charme Der Bäcker wiederum macht halt ne immitation von „muttiesbackstube“ und mir gefällts. Ob die Person sich in meinem Ansehen ändert. Ja. Es gibt Kleidung, die sich als billig empfinde (siehe zu enge Sachen). Der Erste Eindruck sitzt nun mal und selten gehen die allerwelts Kontakte in ein weiteres Gespärch.

Das permanente „DU“ geht mir richtig auf die Eier. Meist sind meine gegenüber so begriffsstutzig, dat die nicht ma schnallen, dass ich konsequent Sie nutze. Dann helfe ich auch gerne nach und verlange das Sie. Mir geht dieses „Du wir reden wie alte Freunde miteinader“ übelst gegen den Strich. In den meisten Fälle hält das Sie einen gewissen Abstand und sorgt dafür, dass das Gespäach höflicher, weil unpersönlicher bleibt.

Und soll es bleiben. So wirds immer sein. Nur was wir als passend bzw. schlampig beurteilen wird sich wandeln. Es wird immer den ersten Eindruck geben. Es wurde schon erwähnt, wie sollen wir sonst all die Eindrücke verarbeiten? Und vieles wird auch Marketing sein (siehe urige Backstube).

Musste da spontan an „Herr Frodo“ denken :smiley:

Wenn bei uns in der Oberstufe damals gesiezt wurde, war das auch so.

Finde auch dass man zum einen etwas mehr „Respekt“ aufbringt, wenn man eine anstaendig gekleidete Person sieht als bei jemandem der herumlaeuft wie frisch aus „das Wahre Leben“

Mit dem Siezen ist das so eine Sache.
Seit ich die Gesellenpruefung bestanden habe, sagt mein Chef andauern, dass ich ihn beim Vornamen und mit Du ansprechen soll.
Was ich aber nicht mache. Ich finde gerade bei Vorgesetzten kommt man da schnell in ne falsche Schublade wo man nicht rein will (und ich meine jetzt nicht bei den Kollegen sonder beim Chef selbst)
Ich bleibe beim Sie, wenn es mir nicht ausdruecklich Angeboten wird.
Und nach „alter Schule“ gilt auch bei mir, dass der Aeltere gerne auch Du zu mir sagen kann (je nachdem wer) aber ich beim Sie bleibe. Das Du wird ja eigentlich sowieso immer vom Aelteren angeboten, und das finde ich auch passend.

Wieso „Richi“ :frowning:
Mögen Sie mich etwa nicht, Herr rowdy007?

weil joschka damals Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen beleidigt hat! nix gegen dich :smiley:

Was ich mich schonmal gefragt habe. Warum wird sich in „normalen Foren“ wie dieses hier geduzt und in Foren wie bei Amazon Siezen sich die Leute. Liegt es daran das viele da mit echtem Namen+Nachnamen schreiben und man so gleich eine natürliche Distanz bekommt als wenn da son Geckolord oder 'n oller rowdy007 was schreibt wie hier oder liegt es daran das dort auch sehr viele ältere unterwegs sind oder vielleicht gar beides?

weil joschka damals Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen beleidigt hat! nix gegen dich :smiley:

Was ich mich schonmal gefragt habe. Warum wird sich in „normalen Foren“ wie dieses hier geduzt und in Foren wie bei Amazon Siezen sich die Leute. Liegt es daran das viele da mit echtem Namen+Nachnamen schreiben und man so gleich eine natürliche Distanz bekommt als wenn da son Geckolord oder 'n oller rowdy007 was schreibt wie hier bzw. respektvoller sein will oder liegt es daran das dort auch sehr viele ältere unterwegs sind oder vielleicht gar beides?

Vielleicht liegt es einfach am Alter der Nutzer? Das Durchschnittsalter der Amazonkäufer liegt ja viel höher als das Alter hier, vielleicht gibts da mehr von der „alten Schule“ die sich, wie in einem handgeschriebenen Brief siezen.

So ist es. Und ich hoffe, dass das nicht die „alte Schule“ bleibt und die immer schlecht geredete „Jugend von heute“ sich ebenfalls noch daran hält. Respekt hat noch niemandem geschadet, im Gegenteil.