Stephen Fry fordert zum Boykott von Sotschi 2014 auf

Stephen Fry fordert zum Boykott von Sotschi 2014 auf
Der populäre britische Schauspieler und Schriftsteller Stephen Fry hat den Premierminister von Großbritannien und das Internationale Olympische Komitee aufgerufen, die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi zu boykottieren.

In einem offenen Brief, der in seinem Blog veröffentlicht wurde, vergleicht Fry die Beeinträchtigung der Rechte sexueller Minderheiten im modernen Russland mit der Verfolgung der Juden in Nazideutschland während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, und besteht darauf, dass die Austragung internationaler Wettbewerbe in Sotschi die olympische Bewegung beflecken werde.

Den ganzen Brief findet man auf Frys Blog.

Auch wenn es wohl nichts bringen wird (immerhin geht es hier, wie immer, um viel Geld), finde ich es löblich, dass wenigstens mal jemand genug Eier in der Hose hat, das auszusprechen. Oder was meint ihr?

Muss man dafür neuerdings wirklich Eier haben, wenn man Brite ist?

Wenn ich mich morgen besonders revolutionär fühle, stell ich mich auf die Straße und fordere demokratische Wahlen alle paar Jahre. Da werden die aber Augen machen.

Ich habe mal ein eigenes Thema daraus gemacht. Hat zwar mit dem alten Thema zu tun, aber ist dennoch interessant genug und vor allem eines: wichtig.

Danke dafür :wink:

@MorsTriumphalis
Ich habe bisher noch keine klare Meinung gehört, zumindest nicht von einer annähernd so bekannten, angesehenen und intelligenten Person wie Stephen Fry. Die Briten machen so oder so ihr eigenes Ding, sieht man ja schon am Euro, nur betrifft das hier ja nicht nur das Vereinigte Königreich.

Ich will Empörung sehen - vor allem von Politikern. Wenigstens eine Reaktion, wenn es nicht mal für eine Diskussion reicht. Aber was kommt? Nichts! Da regen sich die Deutschen doch lieber über den Veggie-Day auf als über so was .:-/

Ergänzend dazu hier nur die 20 „shocking anti-gay news stories from Russia so far“. Wenn ich so was lese wird mir schlecht.

Kann ich gut nachvollziehen, aber a) wie genau definierst du da den Maßstab für deine Empörungs-Skala? Ist z.B. die Tatsache, dass nach wie vor im dreistelligen Bereich täglich Menschen in Syrien sterben weniger wichtig als die Homorechte in Russland? und b) sind moralische Erwägungen grundsätzlich nicht Grundlage des Modus operandi der internationalen Politik. Es ist doch allgemein bekannt, dass die politischen Eliten der Welt, von Chile bis nach Japan, keinerlei Interesse an Gerechtigkeit oder der Einhaltung internationaler Abkommen haben. Es geht immer nur um Macht (was manchmal so aussehen kann, als ginge es um Geld).

Wenn es danach geht, müsste sich die Menschheit täglich über so vieles aufregen. Von der Syrien-Sache bis hin zu den verhungernden Kindern in Afrika. Schlimm ist das alles, keine Frage, nur wird dafür nicht öffentlich gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Für diese Krisenherde gibt es nicht extra eine internationale Traditionsveranstaltung, die das betroffene Land ins Rampenlicht stellt und zum Theaterspielen einlädt.

Die Olympischen Spiele sind nichts anderes als Propaganda für das jeweilige Land. Ein Image muss aufpoliert und Sympathiepunkte gesammelt werden - während im Hintergrund eine große Minderheit nicht nur deren Rechte entzogen, sondern obendrein noch unterdrückt, misshandelt eingesperrt und getötet wird. Und da es das so oder so ähnlich schon mal gab (wir erinnern uns…), sollte man zumindest diesmal irgendwas tun, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Natürlich würde ein Boykott nichts an dem frischen „Homo-Propaganda“-Gesetz ändern, das würde es weiterhin geben. Aber es wäre immerhin ein Zeichen und eine Reaktion; und man würde es nicht einfach scheinheilig hinnehmen und das strunzdumme Weltpublikum darstellen.

Und auf Punkt b) basiert mein Zynismus bei der ganzen Geschichte. Natürlich geht es um Macht, weswegen alles am Ende nichts an der Sache ändern wird. Nur heißt das ja nicht, dass man es akzeptieren und für gut heißen muss.

Stimme dir in allem zu. Allerdings weiß ich nicht, ob wir das heutige Russland schon mit dem Dritten Reich in Verbindung bringen sollten. Ganz so schlimm ist es da vielleicht noch nicht..? China empfinde ich übrigens als die größere Beleidigung für den menschlichen Verstand, und dessen Olympia ist damals - trotz ähnlicher Beschwerden - auch gnadenlos abgefeiert worden. Mit den Geschäftspartnern versaut man es sich nur ungern. Auch dann, wenn dafür ein paar Menschen sterben müssen. Solang man nicht selbst betroffen ist.

Ein bisschen was gab es da doch schon:

(Bevor hier gleich einige vom Zitat erschlagen werden hier die Zusammenfassung: Boykott ist keine Lösung und Schwule und Lesben sollten sich Medaillen holen um Russland in den Arsch zu treten.)

[quote=„WELT - Aktuelle Nachrichten, News, Hintergründe & Videos“"]

Während sich US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron für eine Teilnahme aussprachen, kam gut einen Monat vor der Bundestagswahl besonders von deutschen Politikern überraschend scharfe Kritik an den russischen Behörden.

„Was in Russland stattfindet, ist staatliche Verfolgung“, sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), der „Welt am Sonntag“. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kritisierte: „Mit der Ausgrenzung von Homosexuellen geht Russland einen weiteren großen Schritt in Richtung einer lupenreinen Diktatur.“

Obama betonte, er halte einen Boykott nicht für angemessen. Er würde es lieber sehen, dass die US-Sportler mit Medaillengewinnen kontern.

[…]

„Ich würde mich freuen, wenn einige schwule und lesbische Athleten Gold nach Hause brächten“, sagte Obama auf einer Pressekonferenz am Freitagabend. Falls Russland keine Schwule oder Lesben antreten ließe, würde das der Teamleistung vermutlich schaden. Auch Cameron betonte, es sei besser, an den Spielen teilzunehmen und damit gegen die homosexuellenfeindliche Politik Russlands zu demonstrieren.

„Ich bin der Meinung, dass wir Vorurteile besser infrage stellen können, wenn wir teilnehmen, anstatt die Winterspiele zu boykottieren“, schrieb Cameron im Internetdienst Twitter. Der Premierminister antwortete damit direkt auf den britischen Schauspieler und Autor Stephen Fry, der in einem offenen Brief zum Boykott aufgerufen hatte.

[…]

Auch deutsche Politiker plädierten für eine Verlegung der Spiele. Der CDU-Politiker Jens Spahn sagte der „Welt am Sonntag“, es sei „grotesk, dass die Welt in einem Land zu Gast sein soll, in dem per Gesetz gegen Schwule und Lesben gehetzt wird“. Der Grünen-Politiker Volker Beck sagte, wenn die Sicherheit „von Schwulen und Lesben oder denen, die sich mit ihnen solidarisch zeigen“, nicht gewährleistet sei, „muss man sich einen anderen Austragungsort überlegen“. Allerdings sei ein Olympia-Boykott derzeit das falsche Signal.
[/quote]

Irgendwo ist diese Lösung zwar sehr… diplomatisch, aber sie wird wahrscheinlich nicht viel bringen, oder? Die Spiele zu boykottieren wäre ein viel krasseres Signal gewesen.

Nazi-Vergleiche ziehen halt immer.
Wobei man bedenken muss, dass es damals ebenfalls mit der Unterdrückung bzw. sogar gesetzlichen Vorgehensweise gegen eine Minderheit angefangen hat. Und Hitler hat die damaligen Olympischen Spiele in Deutschland auch für seine Propaganda-Zwecke benutzt, erfolgreich.

Das ist zwar alles richtig. Aber für mich ist das entscheidende, charakteristische Merkmal des tausendjährigen Reiches vom Gröfaz™ die totalitaristische Ausrichtung des ganzen Systems. Das heutige Russland ist kein totalitaristisches Regime. Es mag korrupt und kriminell sein, und so mancher im Kreml hat da vielleicht auch einen kleinen Diktator gefrühstückt. Aber Totalitarismus? Seh ich da eher weniger. Ich finde stattdessen viel mehr Totalitarismus in China, Kuba, Iran, und, oh steinigt mich nicht :ugly:, den USA.