Vergewaltigung via Steam

Moinsen.

Viele erinnern sich sicherlich noch, dass Steam vor einem guten, halben Jahr bekannt gegeben hatte, dass man künftig fast keine Spiele mehr auf Steam verbieten möchte. Unter anderem bezog sich damals die Diskussion auf erotische Spiele.

Steam sagte dazu:

Ganz ehrlich? Ich war damals sehr skeptisch. Das klang für mich zu sehr nach einem Freifahrtschein für Mist. Versteht mich nicht falsch: Jedem, der alt genug ist, sollte es erlaubt sein, erotische Inhalte zu konsumieren, sofern er dabei nicht gegen das Gesetz verstößt, aber ich habe darin eher die Gefahr gesehen, dass jetzt allem möglichen Quatsch Tor und Tür geöffnet werden. Immerhin bei der Illegalität hat Steam sich ein Stück weit die Möglichkeit eingeräumt, Entscheidungen treffen zu dürfen. Die Aussage diesbezüglich hält sich allerdings recht vage:

Um es mal mit der Aussage von Daniel Herbig auf Heise auf den Punkt zu bringen:

Doch warum kocht das Thema jetzt wieder neu auf? Auf Steam ist ein Spiel angeboten worden, in dem es darum geht, Frauen zu vergewaltigen: „Darin schlüpfen die Spieler in die Rolle eines Serienmörders, der während einer Zombieapokalypse wehrlose Frauen vergewaltigen darf.“ (pcgames) Der Entwickler begründet die Thematik folgendermaßen:

Mord ist in der Fiktion normalisiert worden, während Vergewaltigung noch normalisiert werden muss.

Golem.de: IT-News für Profis

„Muss“, sagt er.

Das Spiel wurde mittlerweile von Steam entfernt. Einzelfallentscheidungen gibt es schließlich nach wie vor. „Alles geht“ gilt also letztendlich nicht auf Steam, dennoch wirft dieser Fall zahlreiche Fragen auf. Zum einen, was Steams Umgang mit derlei Inhalten angeht, zum anderen, was in Spielen wirklich erlaubt sein sollte.

Die Begründung finde ich zum Teil ziemlich seltsam. Geht es nun um Moral und Ethik oder um Kosten und Risiken, wenn man das Spiel im Store anbietet? Die Kritik bezog sich vor allem auf ersteres, Steam scheint aber eher letzteres zu fürchten.

Darüber hinaus habe ich jetzt schon mehrmals von einer Doppelmoral gelesen, die besagt, dass wir in Spielen schon seit zig Jahren töten, aber jetzt beim Thema Vergewaltigung zum Moralapostel werden. Ich persönlich würde durchaus damit argumentieren, dass viele Shooter- oder Action-Games primär eine taktische Komponente beinhalten und es nicht direkt ums Töten selbst geht. Die Vergewaltigung wird hier jedoch zum Selbstzweck „zelebriert“ und auch die eben genannte taktische Komponente kann man nicht unbedingt jedem Spiel zuschreiben. Ähnliches könnte man auch (mal wieder) bei zig japansichen Spielen hinterfragen, wenn es darum geht, dass die weiblichen Charaktere mit ihren zierlichen Körpern deutlich zu jung sind.

Fantasie hin oder her, werden hier nich gewisse Grenzen überschritten? Es ist schon richtig, dass wir alle nicht zu Serienmördern, Vergewaltigern oder Pädophilen geworden sind und es ist ebenso richtig, dass die meisten Spieler ihre virtuellen Taten in der Realität abstoßend finden und niemals umsetzen würden, aber machen wir es uns damit nicht ein bisschen zu leicht?

Wie steht ihr zu dieser Debatte?

[SPOILER]

Hier mal ein paar (unsortierte) Links zum Nachlesen:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Ein-Rape-Game-auf-Steam-sollte-niemanden-mehr-ueberraschen-4327907.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kontroverse-Spiele-auf-Steam-Valve-will-sich-weniger-einmischen-4072797.html

http://www.pcgames.de/Steam-Software-69900/News/Valve-Rape-Day-1276725/

Ich bin weniger darüber geschockt, dass Steam so etwas zulässt, als über den Fakt, dass es Entwickler gibt die so etwas entwickelt haben. Wie kann man auf so eine Idee kommen und diese dann noch umsetzen? Einfach nur gruselig und widerlich…

Hast du nicht richtig gelesen? Steam lässt es eben nicht zu.

Aber auch erst im Nachhinein.

Aber es war doch kurzzeitig im Store und wurde dann nachträglich wieder rausgenommen, richtig? Insofern hätte Steam es ja im ersten Moment zugelassen.

Weil Steam von vorneherein alles zulässt. Wie hätten sie es sperren sollen, wenn sie keine Überprüfung mehr haben? Da KANN man es ja auch erst entfernen, wenn es schon da ist.

Erst zwingt Valve allen den Kram auf, dann verpissen die Deppen sich mit „Der Müll geht uns nix an. Wir bieten euch keine Qualität(ssicherung)“ und nun müssen sie wieder nach und nach aufräumen. Wobei Müll und offensichtliche Troll-Titel weiterhin erhältlich bleiben:

Das ganze Chaos ist doch nur noch 'n Witz. Purge und Neustart als „Steam 2“ (nicht Version, sondern direkt im Namen) oder als „Fume“, „Vapour“ wäre angebracht, aber höchstwahrscheinlich nicht/kaum umsetzbar (zumal Valve auch hier sicherlich nicht investieren will). Da meckern alle immer über EA oder Activision… Aber Valve, Capcom und Bethesda sind meine persönliche Krönung der Saftpublisher (treffen die Definition eines Saftladens recht gut).

Es gibt bereits Studien die belegen das Spiele nicht gewaltätig machen, so funktionieren Menschen nun einmal nicht.
Was bleibt? Jemand der gewaltätig ist kann mit Spielen das ausleben und läst reale Menschen mehr in Ruhe? Ist nicht bewiesen (oder hat jemand da was zu gefunden als Quelle?) aber das wär doch durchaus genauso oder noch eher denkbar mit dem was wir wissen.

Ich habe kein interesse an dem Spiel, aber das muss ich auch nicht. Um die Freiheit anderer zu verteidigen reicht es das ich Freiheit haben will und wenn man eine Sache zensiert muss man auch andere zensieren.

Ich bin also gegen diese Zensur und finde es Schade das Steam glaubt hier die Herrschaft über Moral zu halten.
Die eine Grenze die ich ziehe ist bei Minderjährigen, weder als Spiel noch Video/Stream sollte es an Kinder kommen können.
Immerhin ist es so das in der Teenager Zeit wir in unserer sexuellen Orientierung stark beeinflussbar sind, das suggeriert zumindest die Masse an „Furry“ welche mit Disney groß wurden (ob das exact so stimmt sollte man ggbf mal mit Studien prüfen, oder gibt es da welche?).

Von Valve habe ich schon eine Weile nichts gekauft, Valve ist mir genauso zu wieder wie EA, Activision und Bethesta.
Capcom kaufe ich derzeit aber auch nichts von, wüste aber auch nicht was.. wär aber hier eher bereit zu vergeben wenn die mal wieder was ordentliches FÜR MICH machen würden.

Hä?

Scheinbar sind wir uns ja doch einig, dass Steam (zu Beginn) alles zulässt? Wieso dann so giftig von der Seite ankommen und meinen ich „hätte nicht richtig gelesen“.

Erstmal: Jo, war ungünstig von mir ausgedrückt.
Steam hat keine Überprüfung. Alles kommt ungeprüft rein. Dein Kommentar impliziert, dass Steam es überprüft und abgesegnet hat. Doch das ist nicht der Fall. Als schließlich eine Prüfung statt fand, kam man (richtigerweise) zum Entschluss, dass das nicht auf Steam gehöre.

Ja, aber Steam hat es nun mal, ob willentlich oder unwillentlich, zugelassen das so ein Spiel in ihren Shop gerät. Nichts weiter habe ich ausgesagt, hier wurde rein garnichts impliziert. Mich stört nicht, dass du es angemerkt hast, sondern auf welche Weise. Den ersten Satz deines ersten Beitrags hättest du dir sparen können.

Nächstes Mal halt auf DL-Site laden, die machen sich bei sowas nicht gleich inne Hose.

Ach das bekommen wir auch noch massentauglich :ugly:

Ein wunderbar differenzierter Beitrag.

Danke.

Ich halte Steams vorgehen, nicht zu sperren, grundsätzlich für richtig.

Natürlich bedeutet dies, das auch Spiele erhältlich sind, die eindeutig gegen den guten Geschmack verstoßen. Manche werden sogar aus medienwirksamen Gründen genau darauf abzielen.

In anderen Medien haben wir damit einen viel entspannteren Umgang. Vergewaltigt im Lied von Eis und Feuer ein Kleinwüchsiger ein Kind in deren Hochzeitsnacht, und schmückt der Herr Martin das genüßlich aus, nennen wir das nicht etwa verbotene Kinderpornografie, sondern Kunst. Ebenso bei Henry Millers Opus Pistorum. Denn die künstlerische Freiheit ist ein wertvolles Recht, das nicht also leicht eingeschränkt werden darf.

Steam ist nicht einfach nur Marktführer, sondern aktuell noch marktbeherrschend. Damit müssen für Steam auch andere Regeln gelten als für andere Marktteilnehmer. So darf Steam nicht einfach „Schund“ sperren, denn ob ein digitales Spiel auf Steam freigegeben oder abgelehnt wird, ist faktisch gleichbedeutend mit der Frage, ob ein Spiel veröffentlicht wird oder nicht.
Die Entscheidung, ob der Content veröffentlicht oder gesperrt wird, sollte ausschließlich staatlichen Stellen unterliegen.

Womit ich nicht einverstanden bin, ist Steams Weigerung, Inhalte zu filtern. Denn gerade durch seine marktbeherrschende Stellung steht Steam auch in der Verantwortung, Jugendliche vor jugendgefährdenden Inhalten zu schützen. Zum Beispiel, indem solche Inhalte explizit gekennzeichnet werden, und nicht mehr über die Suche, sondern nur noch über direkte Links auffindbar sind.

Haben die nicht vor einiger Zeit wegen einigen Visual Novels genau so einen Filter eingerichtet?

Ich glaube es macht einen Unterschied, ob eine Vergewaltigung in ein Gesamtwerk eingearbeitet wird und in einen Kontext passt (vor allem, weil Vergewaltigungen leider ein Teil der Realität sind und in GoT beispielsweise nicht verherrlicht werden), oder ob das Ziel eines Spiels schlicht der Akt der Vergewaltigung ist. Eine Serie mit dem Namen „Rape“ in dem das Ziel des Hauptcharakters ist Frauen zu vergewaltigen und sonst nichts, würde sicher nicht unter dem Gesichtspunkt der „Kunst“ verteidigt werden. Zurecht.

Ich denke, das sollte dann für jede Form der Gewaltverherrlichung gelten. Bei Spielen, deren primärer Inhalt Massenmord ist, reicht dann allerdings ein recht primitiver Kontext. Vergleiche Mad World oder GTA.

Sobald es um sexualisierte Gewalt geht, wird diese in Spielen sogar mit einem historischen Kontext abgelehnt. Red Dead Redemption 2 ist hier ein wunderbares Beispiel: Du kannst die Bevölkerung ganzer Städte ermorden, aber Sex mit einer Zwangsprostituierten ist tabu. Nicht weil es der Moral deines Charakters wiederspricht, sondern weil es ein gesellschaftliches Tabu ist und den wirtschaftlichen Interessen des Publishers/Vertriebs widerspricht.

Gerade wenn es Teil der Realität ist, dürfte es doch auch in Spielen thematisiert werden. Ich rede außerdem nicht von Game-of-Thrones, sondern von dessen Romanvorlage, dem Lied von Eis und Feuer. Hier findet sehr wohl eine Verherrlichung statt – sie ist allerdings der Erzählperspektive geschuldet. Die Unterscheidung zwischen Film und Roman ist hier wichtig, weil in der TV-Serie das Alter der Figuren und die Erzählperspektive abgeändert wurden (die meisten Sex- und Nacktszenen des Romans hätte man sonst gar nicht verfilmen dürfen)

Deshalb hatte ich den Henry Miller erwähnt. Der hatte damals, um sich über Wasser zu halten, viele pornografischen Kurzgeschichten unter Pseudonymen veröffentlicht – Ohne jeglichen künstlerischen Anspruch. Unter anderem eine Geschichte, in der der Erzähler Sex mit der (9- oder 10-jährigen?) Tochter einer Prostituierten hat. Der Sammelband, der diese Geschichte enthielt, war hierzulande lange verboten (weil Kinderpornografie), wurde dann aber nach einem Gerichtsurteil wieder frei verfügbar, weil es eben doch Kunst sei, und die Kunst nunmal frei sei.

Bei diesem Vergewaltigungsspiel sehe ich das ähnlich. Der künstlerische Aspekt mag nicht vorrangig und nur rudimentär ausgeprägt sein. Es mag und anwiedern und vielleicht sogar jugendgefährdend sein. Trotzdem ist es Kunst, und diese darf nicht (außer zum Schutz der Jugend) eingeschränkt werden.

Würde ich das von dir in den Raum geworfene Spiel auch nicht „Rape“ nennen, sondern - sagen wir mal - „Manhunt 2“, und würde es darin um das vollkommen sinnfreie Vergewaltigen, sondern um sinnfreies Ermorden von Menschen gehen, würde sogar Nintendo of America dem Spiel sein Qualitätssiegel aufdrücken.

Jeder sollte Kunst und andere Medien frei konsumieren dürfen, da Menschen in der Lage sind, Dinge zu kontextualisieren.

Das, wonach wir Menschen richten sollten sind ihre Taten, nicht ihre Gedanken.