Wenn ich einmal die Begriffe „Retrobat“ und „Controller“ zusammen googele, bekomme ich einige Hits, bei denen Leute von diversen Problemen mit dem Controller-Setup berichten. Das ist auch wenig verwunderlich.
Retrobat, Batocera, Recalbox, RetroPie oder auch Handheld-Systeme wie JELOS, ArkOS, AmberELEC… das alles sind Lösungen, bei denen man ne Kombination aus Retroarch und einer angepassten Version von EmulationStation hat. Die unterschieden sich darin für welche Hardware und welches Betriebssystem sie ausgelegt sind, ob es ne Software ist, die man normal startet oder ob es auch als Launcher genutzt wird, sprich man kein weiteres Betriebssystem hat und vor allem darin, was vorkonfiguriert ist, sowie welche Konfigurationen man alles innerhalb von EmulationStation machen kann, anstatt sie in den RetroArch bzw. den Hardware/Systemeinstellungen des Geräts bzw. Betriebssystems einstellen zu müssen. Die Basis bleibt aber immer die Kombination aus RetroArch und EmulationStation.
Wenn man eine es für ne bestimmte Hardware vorkonfigurierte Version nutzt, wie z. B. Recalbox wie Raspberry Pi, dann sind viele Dinge, schon passend an den Raspberry Pi vorkonfiguriert und Einstellungen, die man sonst am Rasbperry Pi bzw. dem eigentlichen Betriebssystem selbst machen müsste auch schon in EmulationStation konfigurierbar. Hat man ein System für einen gewissen Handheld ist es noch besser. Denn da sind außerhalb vom TV-Modus ja auch Screen und Controller fix und daher fest vorkonfiguriert.
Sobald man aber ein Setup nutzt, wo Screen und Controller nicht vorgegeben immer die gleichen sind, egal ob Retrobat als Software, wenn man Windows nutzt, Batocera als startendes System am TV/PC-Bildschirm oder eben auch bei nem Handheld im Dock/TV-Modus, dann variieren Bildschirm und Controller und es gibt hunderte mögliche Konfigurationen für sowohl den Screen als auch den Controller. Und es liegt einfach an RetroArch + Emulationstation, dass das eben nicht immer problemfrei funktioniert. Klar funktioniert der kabelgebundene USB-Controller und das Xbox-Gamepad sehr gut, weil das gängige Controller sind. Aber selbst da kann es Probleme geben. Wenn man dann noch Bluetooth wählt, für Multiplayer mehrere Controller verbinden und konfigurieren will, man bei nem Handheld zwischen Handheld-Modus und TV-Modus switcht, weswegen sich der primäre Controller dauernd ändert, man bei ner Software am PC zwischen Maus+Tastatur und Controller als Haupt-Input wechselt… dann ist Anpassung notwendig. Und egal welche der oben aufgezählten Lösungen (Batocera, RetroBat…), jede funktioniert nicht problemfrei direkt mit Plug & Play, sobald man von der 0815 Standard-Situation abweicht. Das ist bei all den Systemen so. Einfach weil sowohl RetroArch als Software alleine, schon diese Problemchen aufwirft. Auch EmulationStation als Frontend kann Probleme machen die Konfig an RetroArch zu übertragen. Somit hat man mit der Kombi aus RetroArch+Emulationstation schon zwei Layer für Probleme. Manche Systeme sind da besser als andere (RetroPie empfand ich da schon immer als besonders nervig), aber keine Lösung wird da alles lösen können. Man hat verschiedene Hardware und verschiedene Betriebssysteme, bei denen es schon Probleme mit der Verbindung und Erkennung geben kann. Dann verschiedenste Peripherie zum Anschließen (vom DIY Arcadestick über ein Board, welches direkt über GPIO geht, über Bluetooth, über USB), verschiedene Protokolle wie Xinput… und einfach verschiedene Controller an sich. Dann funktionieren die Cores in RetroArch alles anders. Die Kombination ist so vielfältig, dass man nicht jedes Szenario in seinem System vorher berücksichtigen und vorkonfigurieren kann. Mir ist noch nie was untergekommen, wo alles immer klappt. Nie und ich verfolge Retroarch, Retropie und co. schon seit über zehn Jahre.
Und da gibt es halt immer die Perspektive der technikaffinen Person. 90% der beschriebenen möglichen Probleme sind Kleinigkeiten, die man schnell in den Einstellungen lösen kann. Für ne technikaffine Person sind Ursache und Lösung auch schnell von alleine ersichtlich. Wenn es doch mal etwas komplexer ist, ist die Person in der Lage das zu googeln und zu fixen. Für diese Person sind die Dinge gar kein Thema. Und folglich ist man dann schnell dazu geneigt zu sagen, dass da doch alles funktioniert.
Da wird aber schnell aus dem Auge verloren, dass es ne Sache der Perspektive ist. Man kann nicht davon ausgehen, dass jede Person, die Videospiele spielt, auch eine Person, die Nischendinge wie Emulation an einer Emulationsbox nutzt, auch nur das geringste Technikwissen hat. Das ist nicht so.
Man sieht, es finde ich sehr gut bei Facebook und co in solchen Retro-Gaming-Gruppen. Da posten immer wieder Leute Inserate von solchen USB-Sticks, die 100-200 Euro kosten, ca. ne Leistung von nem Pi3 haben, zwei miserable Controller schon dabei haben und 10.000 vorinstallierte Spiele. Die werben auch mit Plug and Play. Das ist alles miserabel. Obwohl Controller und Roms dabei sind und viel vorkonfiguriert werden kann, ist das der letzte Müll. Selbst nach dem Kauf sagen da viele Leute, dass es zwar nicht perfekt läuft, sie aber froh sind, ne einfach Lösung zu haben, wo man sich um nichts selbst kümmern muss. Einfach wiel das ne viel zu große Herausforderung ist. Für die ist alleine schon der Download der Software und das Installieren von Batocera auf nem Stick schon ne Überforderung.
Sehr viele Leute sind von den kleinsten Dingen überfordert. Von daher würde ich, was als Plug-and-play bezeichnen, wenn man die Box anschließt, einschaltet und nie was machen muss. Vielleicht noch Modul wechseln, wenn die Lösung der Wahl Module lesen kann. Und das gibt es nicht. Kann es alleine schon nicht geben, weil man keine Lösung mit enthaltenen Roms legal kaufen kann, die nicht nur wie ne Mini-Konsole auf wenige Spiele eingeschränkt ist.
Und ich will damit die ganzen Projekte nicht kritisieren. Es ist auch der Natur der Dinge geschuldet, dass man keine Lösung haben kann, die für alle Situationen perfekt vorkonfiguriert ist und keine Probleme mit anderer Peripherie abwirft.
Ich habe schon mehr als einmal Lösungen für Freunde und Bekannte erstellt, die überhaupt nicht technikaffin sind. Aus Kostengründen immer mit Raspberry Pi. Ganz früher Retropie. Später Recalbox und Batocera (war noch vor der Preisexplosion der Pis bzw. bevor andere Lösungen ähnlich günstig waren, heutzutage weiß ich nicht ,ob ich einen Pi wählen würde). Ich lasse mir immer die Roms von ihnen geben, sowie die Angaben was sie damit an Plattformen spielen wollen und worauf sie wert legen. Danach kaufte ich die Hardware, die Controller, bis hinzu Gehäuse… und habe alles installiert und selbst konfiguriert. Nur weil ich den Aufwand reingesteckth abe, war es Plug-and-Play. Und auch da habe ich schon eher auf kabelgebundene Controller gesetzt und meist zwei genommen, damit ich da alles einstellen kann.